Der sunnitische Islam, auch Sunnitentum genannt, ist die mehrheitlich verbreitete Tradition, der ein großer Teil der Muslime weltweit folgt. Er beruht auf dem Koran, der Sunna des Propheten Muhammad ﷺ, der Überlieferung der Hadithe und dem Erbe der muslimischen Gelehrten.
Wer den sunnitischen Islam versteht, kann die Geschichte des Islam, die Grundlagen des muslimischen Glaubens, die religiöse Praxis, die Rechtsschulen und die Vielfalt der muslimischen Welt besser nachvollziehen. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Punkte auf einfache, verständliche und zugängliche Weise.
Was ist der sunnitische Islam?
Der sunnitische Islam bezeichnet den Weg der Muslime, die sich an den Koran und die Sunna des Propheten Muhammad ﷺ halten, so wie sie von den ersten muslimischen Generationen und den anerkannten Gelehrten überliefert und verstanden wurden.
Das Wort „sunnitisch“ leitet sich von السنة, der Sunna, ab. Damit sind die Lehren, Aussagen, Handlungen und Billigungen des Propheten ﷺ gemeint. Für sunnitische Muslime nimmt die Sunna daher einen zentralen Platz beim Verständnis und bei der praktischen Umsetzung des Islam ein.
Das Sunnitentum ist keine vom Islam getrennte Religion. Es bezeichnet eine religiöse, theologische und juristische Tradition innerhalb des Islam mit eigenen Methoden der Überlieferung, Auslegung und Vermittlung.
Die historischen Ursprünge des Sunnitentums
Die Ursprünge des Sunnitentums reichen bis in die ersten Jahre des Islam zurück. Nach dem Tod des Propheten Muhammad ﷺ im Jahr 632 musste sich die muslimische Gemeinschaft mit der Frage seiner politischen Nachfolge und der Leitung der Gemeinschaft auseinandersetzen.
Die Frage der Nachfolge nach dem Propheten ﷺ
Die Muslime, die später als Sunniten bezeichnet wurden, vertraten die Auffassung, dass die Gemeinschaft einen geeigneten Anführer bestimmen sollte, der die Einheit, die Gerechtigkeit und die Umsetzung der Religion bewahrt. Schiitische Muslime entwickelten dagegen ein anderes Verständnis der Nachfolge und betonten die besondere Stellung der Familie des Propheten ﷺ.
Aus diesem historischen Unterschied entstanden nach und nach verschiedene Traditionen. Dieses Thema sollte mit Respekt und Vorsicht behandelt werden, denn trotz ihrer Unterschiede teilen Muslime grundlegende Glaubensinhalte wie den Glauben an Allah, den Koran, den Propheten Muhammad ﷺ und den Jüngsten Tag.
Die schrittweise Entstehung der sunnitischen Tradition
Das Sunnitentum entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte durch die Überlieferung des Korans, das Studium der Hadithe, die Entstehung der islamischen Wissenschaften, die Ausarbeitung des Fiqh und die Arbeit der Gelehrten.
Sunnitische Gelehrte ordneten nach und nach die verschiedenen religiösen Disziplinen: die islamische Glaubenslehre, die Rechtswissenschaft, die Koranauslegung, die Hadithwissenschaft, die arabische Sprache, die Läuterung der Seele und die Regeln des guten Verhaltens.
Die Quellen des sunnitischen Islam
Der sunnitische Islam beruht auf grundlegenden Quellen, die den Glauben, die gottesdienstlichen Handlungen, das Verhalten und die Rechtslehre bestimmen.
Der Koran
Der Koran ist das Wort Allahs, das dem Propheten Muhammad ﷺ offenbart wurde. Er ist die erste Quelle der Rechtleitung für Muslime. Die Glaubensgrundlagen, die wichtigsten Regeln, die moralischen Werte und die gottesdienstlichen Handlungen haben darin ihre Grundlage.
Die Sunna des Propheten ﷺ
Die Sunna erklärt und ergänzt das praktische Verständnis des Korans. Sie zeigt, wie der Prophet ﷺ betete, fastete, lehrte, urteilte und mit seiner Familie, seinen Gefährten und sogar seinen Gegnern umging.
Für sunnitische Muslime bedeutet das Befolgen der Sunna, den Propheten ﷺ im Glauben, im Gottesdienst, im Verhalten und in der täglichen Lebensführung als Vorbild zu nehmen.
Die Hadithe und ihre Überlieferung
Hadithe sind Berichte über die Aussagen, Handlungen und Billigungen des Propheten ﷺ. Die Hadithgelehrten entwickelten genaue Methoden, um die Überlieferungsketten zu prüfen, die Überlieferer zu untersuchen und authentische Berichte von schwachen Überlieferungen zu unterscheiden.
In der sunnitischen Tradition nehmen Sammlungen wie Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim einen wichtigen Platz ein. Auch weitere Hadithsammlungen werden innerhalb der Hadithwissenschaften studiert.
Die wichtigsten Glaubensgrundlagen sunnitischer Muslime
Sunnitische Muslime glauben an Allah, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten, den Jüngsten Tag und die Vorherbestimmung, unabhängig davon, ob sie als angenehm oder schwierig empfunden wird. Diese Grundlagen werden als die Säulen des Glaubens bezeichnet.
Die sunnitische Glaubenslehre betont die Einzigkeit Allahs, auf Arabisch التوحيد, Tawhid. Allah allein gebührt die Anbetung. Er hat keinen Teilhaber, keinen angebeteten Vermittler und keinen Ebenbürtigen.
Sunnitische Muslime erkennen außerdem die Sendung des Propheten Muhammad ﷺ als letzten Gesandten Allahs an und bemühen sich, seinem Beispiel im Glauben, im Gebet, im Verhalten und im Umgang mit anderen Menschen zu folgen.
Die fünf Säulen in der sunnitischen Praxis
Wie alle Muslime erkennen auch Sunniten die fünf Säulen des Islam an:
- die Schahada, also das Glaubensbekenntnis;
- das tägliche Gebet;
- die Zakat, also die verpflichtende Abgabe;
- das Fasten im Monat Ramadan;
- die Pilgerfahrt nach Mekka für jeden, der dazu in der Lage ist.
Diese Säulen strukturieren das religiöse Leben eines Muslims. Sie sind nicht nur äußere Rituale, sondern stärken den Glauben, die Disziplin, die Großzügigkeit, die Geduld und das Bewusstsein für Allah.
Die vier sunnitischen Rechtsschulen
Der sunnitische Islam kennt vier große Rechtsschulen, die auf Arabisch مذاهب, Madhahib, genannt werden. Diese Schulen sind keine Sekten, sondern wissenschaftliche Methoden zur Auslegung und Anwendung des Fiqh.
Die hanafitische Rechtsschule
Die hanafitische Rechtsschule ist mit Imam Abu Hanifa verbunden. Sie verbreitete sich in zahlreichen Regionen, insbesondere in Zentralasien, der Türkei, auf dem indischen Subkontinent und in weiteren Teilen der muslimischen Welt.
Die malikitische Rechtsschule
Die malikitische Rechtsschule ist mit Imam Malik ibn Anas, einem Gelehrten aus Medina, verbunden. Sie ist besonders in Nordafrika, Westafrika und in weiteren Regionen der muslimischen Welt verbreitet.
Die schafiitische Rechtsschule
Die schafiitische Rechtsschule ist mit Imam asch-Schafi‘i verbunden. Sie wird in mehreren Regionen befolgt, darunter in Ägypten, Ostafrika, im Jemen, in Südostasien und in weiteren Ländern.
Die hanbalitische Rechtsschule
Die hanbalitische Rechtsschule ist mit Imam Ahmad ibn Hanbal verbunden. Sie ist für ihre starke Bindung an die Texte des Korans und der Sunna bekannt und besitzt in bestimmten Regionen der Arabischen Halbinsel eine wichtige Stellung.
Diese vier Rechtsschulen teilen dieselben Grundlagen des Islam, auch wenn sie sich in einzelnen juristischen Fragen unterscheiden können. Ihre Unterschiede zeigen den Reichtum des sunnitischen Fiqh und die Sorgfalt, mit der die Gelehrten gearbeitet haben.
Sunnitischer Islam und die Vielfalt der muslimischen Welt
Das Sunnitentum ist in vielen Ländern und Kulturen verbreitet. Sunnitische Muslime leben in Afrika, im Nahen Osten, in Asien, Europa und Amerika. Diese Vielfalt zeigt, dass der sunnitische Islam nicht an eine bestimmte Volksgruppe, Sprache oder Kultur gebunden ist.
Sunnitische Muslime können unterschiedliche lokale Traditionen haben, teilen jedoch gemeinsame Grundlagen: den Koran, die Sunna, den Glauben an Allah, die Liebe zum Propheten ﷺ, das Gebet, den Ramadan und die moralischen Werte des Islam.
Wie kann man den sunnitischen Islam systematisch lernen?
Wer den sunnitischen Islam lernen möchte, sollte mit den Grundlagen beginnen: dem Glauben, der rituellen Reinigung, dem Gebet, dem Koran, der Sunna, dem islamischen Verhalten und den wichtigsten Regeln des Fiqh.
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Fazit
Der sunnitische Islam ist die mehrheitlich verbreitete Tradition des Islam und beruht auf dem Koran, der Sunna, der Überlieferung der Hadithe und dem Erbe der Gelehrten. Er umfasst eine reiche Geschichte, grundlegende Glaubensinhalte, spirituelle Praktiken und vier anerkannte große Rechtsschulen.
Dieser Artikel vermittelt die Grundlagen des Sunnitentums. Ein umfassendes Verständnis des Islam erfordert jedoch eine klare Methode, zuverlässige Quellen, Regelmäßigkeit und, wenn möglich, die Begleitung durch eine qualifizierte Lehrkraft.
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