Jedes Jahr, wenn der Monat Dhū al-Ḥijja näher rückt, stehen zwei bedeutende Ereignisse des Islam im Mittelpunkt: der Haddsch und Eid al-Adha. Für viele Muslime scheint die Verbindung zwischen beiden selbstverständlich. Sie finden zur gleichen Zeit statt, stehen mit demselben Propheten in Verbindung und beinhalten beide ein Opfer.
Doch wie viele Muslime kennen die tiefere Bedeutung dieses Zusammenhangs? Warum findet Eid al-Adha während der Tage des Haddsch statt? Welche spirituellen, rituellen und symbolischen Gemeinsamkeiten besitzen diese beiden gottesdienstlichen Handlungen?
Dieser Artikel erklärt auf verständliche Weise, was Haddsch und Eid al-Adha miteinander verbindet – weit über ihre zeitliche Nähe im islamischen Kalender hinaus.
Haddsch und Eid al-Adha: zwei Ereignisse in einem heiligen Monat
Die sichtbarste Verbindung zwischen dem Haddsch und Eid al-Adha liegt im Zeitpunkt. Beide finden im selben Mondmonat statt: Dhū al-Ḥijja, dem zwölften und letzten Monat des islamischen Kalenders.
Die wichtigsten Riten des Haddsch werden vom 8. bis zum 13. Dhū al-Ḥijja vollzogen. Ihr Höhepunkt ist der 9. Dhū al-Ḥijja, der Tag von Arafat. Eid al-Adha beginnt am folgenden Tag, dem 10. Dhū al-Ḥijja.
Diese zeitliche Abfolge ist kein Zufall. Sie besitzt eine tiefe spirituelle Bedeutung.
In der Nacht vom 9. auf den 10. Dhū al-Ḥijja verlassen die Pilger die Ebene von Arafat und begeben sich nach Muzdalifa. Dort verbringen sie die Nacht und ziehen anschließend nach Mina, wo sie am Morgen das Opfer durchführen.
Zur gleichen Zeit feiern Muslime überall auf der Welt Eid al-Adha. Sie verrichten das Eid-Gebet, sprechen den Takbīr und führen, sofern sie dazu in der Lage sind, das Opfertier-Ritual durch.
Die gesamte muslimische Gemeinschaft erlebt somit denselben spirituellen Moment auf zwei Ebenen: physisch durch die Pilger in Mina und symbolisch durch die Gläubigen an ihren jeweiligen Wohnorten.
Was ist der Haddsch?
Der Haddsch ist die fünfte Säule des Islam. Er ist einmal im Leben für jeden Muslim verpflichtend, der körperlich und finanziell dazu in der Lage ist.
Die Pilgerfahrt führt nach Mekka in Saudi-Arabien und vereint jedes Jahr Muslime aus zahlreichen Ländern und Kulturen.
Viele Riten des Haddsch erinnern an das Leben des Propheten Ibrāhīm عليه السلام und seiner Familie:
- Der Lauf zwischen Ṣafā und Marwa erinnert an Hājar, die nach Wasser für ihren Sohn Ismāʿīl suchte.
- Der Aufenthalt in Arafat ist ein besonderer Moment des Bittgebets und der Hinwendung zu Allah.
- Das Bewerfen der Säulen in Mina erinnert an den Widerstand Ibrāhīms gegen die Einflüsterungen des Schayṭān.
- Das Opfer in Mina erinnert an die Prüfung Ibrāhīms und die Barmherzigkeit Allahs.
Allah sagt im Koran:
„Und rufe unter den Menschen zum Haddsch auf. Sie werden zu dir zu Fuß und auf jedem mageren Reittier kommen, aus allen fernen Gegenden.“ (Sure Al-Ḥaddsch, 22:27)
Der Haddsch ist kein religiöser Tourismus. Er ist eine tiefgehende spirituelle Erfahrung, in der Unterschiede von Rang, Herkunft und Vermögen in den Hintergrund treten.
Die Pilger tragen einfache Kleidung und stehen gemeinsam vor Allah. Dies erinnert an die Gleichheit der Menschen und an ihre gemeinsame Abhängigkeit von ihrem Schöpfer.
Eid al-Adha: das Fest, das alle Muslime mit den Pilgern verbindet
Eid al-Adha, im Deutschen auch Opferfest genannt, erinnert an die Hingabe des Propheten Ibrāhīm عليه السلام. Er war bereit, dem Befehl Allahs zu folgen, bevor Allah seinen Sohn durch ein Opfertier ersetzte.
Das Fest ist jedoch nicht nur für diejenigen bestimmt, die sich in Mekka befinden. Es ermöglicht gerade den Muslimen, die in diesem Jahr nicht am Haddsch teilnehmen, sich an derselben spirituellen Erinnerung zu beteiligen.
Der Haddsch ist für diejenigen verpflichtend, die dazu in der Lage sind. Der 10. Dhū al-Ḥijja gehört jedoch der gesamten Umma. Jeder Muslim kann diesen Tag mit Gebet, Takbīr, Dankbarkeit, familiärer Gemeinschaft und guten Taten verbringen.
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Das Opfer in Mina und das Opfer in anderen Ländern
Am Morgen des 10. Dhū al-Ḥijja führen die Pilger in Mina das rituelle Opfer durch. Zur gleichen Zeit vollziehen Muslime in anderen Teilen der Welt die Uḍḥiya, also das Opfer anlässlich von Eid al-Adha.
Beide Handlungen erinnern an dasselbe Ereignis: die Hingabe Ibrāhīms und die Barmherzigkeit Allahs.
Die geografische Entfernung verändert nicht die gemeinsame spirituelle Bedeutung. Muslime in Mekka, Europa, Afrika, Asien oder Amerika erinnern sich am selben Tag an dieselbe prophetische Geschichte.
Die Takbīrāt: ein weltweites gemeinsames Gedenken
Während der Tage von Dhū al-Ḥijja werden in der muslimischen Welt die Takbīrāt gesprochen:
Allāhu akbar, Allāhu akbar, lā ilāha illā Allāh. Allāhu akbar, Allāhu akbar, wa lillāhi-l-ḥamd.
Allah ist der Größte, Allah ist der Größte. Es gibt keine Gottheit außer Allah. Allah ist der Größte, Allah ist der Größte, und Allah gebührt alles Lob.
Diese Worte werden von den Pilgern in Mina ebenso gesprochen wie von Muslimen in ihren Häusern und Moscheen auf der ganzen Welt.
Sie bilden ein gemeinsames, unsichtbares Gedenken, das die muslimische Gemeinschaft über alle Grenzen hinweg verbindet.
Der Tag von Arafat: das spirituelle Herz der Verbindung
Die Verbindung zwischen Haddsch und Eid al-Adha konzentriert sich besonders auf den Tag von Arafat, den 9. Dhū al-Ḥijja.
Für die Pilger ist dieser Tag der Höhepunkt des Haddsch. Sie versammeln sich auf der Ebene von Arafat und verbringen den Tag mit Bittgebeten, Dhikr und aufrichtiger Hinwendung zu Allah.
Der Prophet ﷺ sagte:
„Der Haddsch ist Arafat.“ Überliefert bei At-Tirmidhī und An-Nasāʾī.
Für Muslime, die nicht am Haddsch teilnehmen, ist dieser Tag ebenfalls von großer Bedeutung. Es ist stark empfohlen, am Tag von Arafat zu fasten.
Der Prophet ﷺ sagte:
„Vom Fasten am Tag von Arafat erhoffe ich von Allah, dass Er dadurch die Sünden des vergangenen und des kommenden Jahres sühnt.“ Überliefert bei Muslim.
Dieses Fasten bildet eine spirituelle Verbindung zwischen den Pilgern und den Muslimen, die zu Hause geblieben sind.
Die Pilger fasten in Arafat normalerweise nicht, damit sie genügend Kraft für den Wuquf und ihre Bittgebete besitzen. Die übrigen Muslime fasten und wenden sich auf ihre Weise an Allah.
Beide Gruppen verbringen denselben Tag mit Demut und Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit.
Ibrāhīm عليه السلام: die zentrale Persönlichkeit hinter Haddsch und Eid
Haddsch und Eid al-Adha sind eng miteinander verbunden, weil sie dieselbe prophetische Grundlage besitzen: das Leben des Propheten Ibrāhīm عليه السلام, der als Khalīlullāh, der enge Freund Allahs, bezeichnet wird.
Ibrāhīm erhielt den Auftrag:
- die Kaaba gemeinsam mit Ismāʿīl zu errichten;
- die Menschen zur Pilgerfahrt aufzurufen;
- Hājar und Ismāʿīl im Tal von Mekka zurückzulassen;
- seine Hingabe in der Prüfung des Opfers zu zeigen.
Viele Handlungen des Haddsch erinnern an Stationen seines Lebens. Eid al-Adha ist die weltweite Erinnerung an dieselbe Hingabe.
Allah berichtet über das Bittgebet Ibrāhīms:
„Mein Herr, mache mich zu jemandem, der das Gebet verrichtet, und ebenso einen Teil meiner Nachkommenschaft. Unser Herr, nimm mein Bittgebet an.“ (Sure Ibrāhīm, 14:40)
Die Gebete, Takbīrāt und Opferhandlungen der Muslime können als Früchte dieser prophetischen Weitergabe verstanden werden.
Die Riten des Haddsch als Erinnerung an das Leben Ibrāhīms
Die wichtigsten Riten des Haddsch stehen in Verbindung mit Ereignissen aus dem Leben Ibrāhīms und seiner Familie:
- Der Bau der Kaaba: Ibrāhīm und Ismāʿīl errichteten sie gemeinsam auf Allahs Befehl. (Sure Al-Baqara, 2:127)
- Der Ṭawāf: Die Umrundung der Kaaba ist eine zentrale Form der Anbetung während des Haddsch und der Umra.
- Der Lauf zwischen Ṣafā und Marwa: Er erinnert an Hājars Suche nach Wasser für Ismāʿīl.
- Der Aufenthalt in Mina: Er steht in Verbindung mit den Ereignissen rund um die Opferprüfung.
- Das Bewerfen der Säulen: Es erinnert an den Widerstand gegen die Einflüsterungen des Schayṭān.
- Das Opfer: Es bildet die sichtbarste Verbindung zwischen dem Haddsch und Eid al-Adha.
Der Haddsch lässt den Pilger die Geschichte Ibrāhīms durch konkrete Handlungen erleben. Eid al-Adha trägt ihre Bedeutung in die gesamte Welt.
Was lehrt uns diese Verbindung über den Islam?
Die Beziehung zwischen Haddsch und Eid al-Adha zeigt einen wichtigen Grundsatz: Allahs Gnade ist nicht auf eine kleine Gruppe beschränkt.
Der Haddsch ist für diejenigen bestimmt, die in einem bestimmten Jahr körperlich und finanziell dazu in der Lage sind. Die spirituelle Bedeutung seiner wichtigsten Tage wird jedoch mit der gesamten Umma geteilt.
Das Fasten am Tag von Arafat, die Takbīrāt, das Eid-Gebet, die Uḍḥiya und die Unterstützung Bedürftiger sind Möglichkeiten, an diesen besonderen Tagen teilzunehmen.
Auch ein Muslim, der nicht nach Mekka reisen kann, kann den 9. und 10. Dhū al-Ḥijja mit Aufrichtigkeit, Dhikr, Gebet und Dankbarkeit verbringen.
Die Nähe zu Allah hängt nicht allein vom Aufenthaltsort ab, sondern vor allem von der Aufrichtigkeit des Herzens und den vollbrachten Taten.
Den Glauben durch den Koran und die arabische Sprache vertiefen
Die Verbindung zwischen Haddsch und Eid al-Adha zu verstehen, ist ein wichtiger Schritt. Wer jedoch noch weitergehen möchte, kann die Koranverse über Ibrāhīm, die Bittgebete des Haddsch und die gesprochenen Formeln in ihrer ursprünglichen Sprache lernen.
Koranarabisch ist keine unüberwindbare Hürde. Es ist ein Zugang zum direkten Verständnis vieler religiöser Texte und Bittgebete.
Wenn Sie die islamischen Feste und die Riten des Haddsch bewusster erleben möchten, können Sie mit Al-Dirassa Arabisch Schritt für Schritt lernen. Der Unterricht wird von qualifizierten Lehrkräften begleitet und kann flexibel in den Alltag integriert werden.
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Fazit: Haddsch und Eid al-Adha als zwei Ausdrucksformen desselben Glaubens
Der Haddsch und Eid al-Adha sind keine zwei voneinander unabhängigen Ereignisse, die zufällig zur gleichen Zeit stattfinden.
Sie sind zwei Ausdrucksformen derselben spirituellen Erinnerung: eine wird durch die Pilger in Mekka körperlich erlebt, die andere von der gesamten muslimischen Gemeinschaft auf der Welt geteilt.
Wenn Sie am Morgen des 10. Dhū al-Ḥijja Bilder der Pilger in Mina sehen, dann erinnern Sie sich daran, dass Sie ebenfalls Teil dieses Moments sind.
Ihr Eid-Gebet, Ihre Takbīrāt, Ihr Fasten am Vortag, Ihre guten Taten und gegebenenfalls Ihr Opfer verbinden Sie mit Millionen anderer Gläubiger.
Die Umma ist keine abstrakte Vorstellung. Sie zeigt sich in dieser gemeinsamen Erfahrung und in dem Takbīr, der am selben Tag aus vielen Teilen der Erde aufsteigt.
Taqabbala Allāhu minnā wa minkum.
FAQ – Häufige Fragen zur Verbindung zwischen Haddsch und Eid al-Adha
Warum findet Eid al-Adha immer am Tag nach Arafat statt?
Der Tag von Arafat ist der 9. Dhū al-Ḥijja und bildet den Höhepunkt des Haddsch. Die Pilger verbringen den Tag auf der Ebene von Arafat mit Bittgebeten und der Hinwendung zu Allah.
Am folgenden Tag, dem 10. Dhū al-Ḥijja, führen sie in Mina das Opfer durch. Gleichzeitig feiert die gesamte muslimische Gemeinschaft Eid al-Adha.
Diese Abfolge verbindet die Riten der Pilger mit den gottesdienstlichen Handlungen der Muslime, die nicht am Haddsch teilnehmen.
Ersetzt das Fasten am Tag von Arafat den Haddsch?
Nein. Das Fasten am Tag von Arafat ersetzt den Haddsch nicht.
Der Haddsch bleibt eine eigenständige Pflicht für jeden Muslim, der körperlich und finanziell dazu in der Lage ist.
Das Fasten am Tag von Arafat ist jedoch eine besonders wertvolle Handlung für diejenigen, die in diesem Jahr nicht am Haddsch teilnehmen. Es ermöglicht ihnen, die Heiligkeit dieses Tages auf spirituelle Weise zu erleben.
Was ist der Unterschied zwischen Hady und Uḍḥiya?
Beide Opfer erinnern an die Geschichte Ibrāhīms عليه السلام, unterscheiden sich jedoch in ihrem rechtlichen Zusammenhang.
Das Hady ist ein Opfer, das im Rahmen des Haddsch im heiligen Gebiet durchgeführt wird. Es ist insbesondere bei bestimmten Formen des Haddsch, darunter Tamattuʿ und Qirān, verpflichtend.
Die Uḍḥiya ist das Opfer, das Muslime anlässlich von Eid al-Adha außerhalb des Haddsch durchführen. Nach der Mehrheit der Gelehrten gilt sie für dazu fähige Muslime als stark empfohlene Sunna.
Die genauen Regeln zur Verpflichtung, zur Durchführung und zur Verteilung des Fleisches können je nach Rechtsschule und persönlicher Situation unterschiedlich sein.
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