Kostenlose Tajwid-Kurse
Der Tajwid – تَجْوِيدٌ ist eine grundlegende Wissenschaft der Koranrezitation. Der Begriff stammt von der arabischen Wortwurzel ja-wa-da – جَوَدَ und bedeutet sprachlich „verbessern“, „verschönern“ und „vervollkommnen“. Auf das Buch Allahs angewandt, umfasst der Tajwid sämtliche Regeln, die es ermöglichen, den Koran korrekt, präzise und entsprechend der prophetischen Überlieferung zu rezitieren.
In fachlicher Hinsicht bedeutet Tajwid, jedem Buchstaben des Korans sein ihm zustehendes Recht zu geben. Dazu gehören die genaue Aussprache, die korrekte Wiedergabe der Vokalzeichen (harakāt), die Beachtung der Artikulationsstellen (makhārij) sowie der besonderen Eigenschaften jedes Buchstabens (ṣifāt). Diese Wissenschaft gewährleistet eine klare, ausgewogene und der Offenbarung treue Rezitation, so wie sie überliefert wurde.
Auch der Begriff Tartil – تَرْتِيلٌ wird für das Lesen des Korans verwendet. Er bezeichnet eine langsame, ruhige und wohlüberlegte Rezitation. Allah erwähnt dies ausdrücklich im Koran, in der Sure Al-Muzzammil (73), Vers 4: „… und rezitiere den Koran langsam und deutlich.“ Der Koranausleger Ibn Kathir – möge Allah ihm barmherzig sein – erklärt, dass dieser Vers die Bedeutung hervorhebt, die Buchstaben klar voneinander zu unterscheiden und vollkommen korrekt zu artikulieren.
Die auf dieser Website angebotenen kostenlosen Tajwid-Kurse basieren auf der Lesart Hafs ‘an ‘Asim, überliefert über den Weg der Shatibiyyah (حَفْص عَن عاصِم مِن طَرِيق الشَّاطِبِيَّة). Diese Lesart ist heute in der muslimischen Welt am weitesten verbreitet. Die anderen kanonischen Lesarten des Korans werden, so Allah will, in speziellen Kursen behandelt.
Warum wurden die Tajwid-Regeln festgelegt? Als sich der Islam über die Arabische Halbinsel hinaus ausbreitete, beherrschten viele neue Muslime die Aussprache der arabischen Buchstaben nicht vollständig. Dadurch entstanden Fehler bei der Rezitation, die mitunter die Bedeutung der Verse verändern konnten. Angesichts dieses Risikos begannen die Gelehrten, die notwendigen Regeln zur Bewahrung einer korrekten Koranrezitation schriftlich festzuhalten.
Auf diese Weise entstand die Wissenschaft des Tajwid. Ihre Regeln beruhen auf der sorgfältigen Beobachtung jener Rezitatoren, die sich an die Lehre des Propheten ﷺ hielten, welche von Generation zu Generation bis in unsere heutige Zeit getreu überliefert wurde.
Zu den wichtigsten Bereichen des Tajwid gehört das genaue Erlernen der Positionen der Sprechorgane und der korrekten Artikulation der Laute. Bereits ein kleiner Aussprachefehler kann die Bedeutung eines Wortes verändern oder sogar vollständig umkehren. So bedeutet beispielsweise im Arabischen kalb (كَلْب) „Hund“, während qalb (قَلْب) „Herz“ bedeutet. Eine geringfügige Verwechslung bei der Artikulation verändert die Bedeutung vollständig.
Tajwid zu lernen beschränkt sich daher nicht darauf, theoretische Regeln auswendig zu lernen. Diese Wissenschaft wird durch regelmäßige praktische Koranrezitation erworben und vervollkommnet. Arabisch lesen zu können und den Koran korrekt rezitieren zu können, sind zwei unterschiedliche Fähigkeiten, die jeweils eine gezielte Ausbildung erfordern.
Wenn die Tajwid-Regeln eingehalten werden, wird die Rezitation flüssig, harmonisch und von Ruhe geprägt. Der Leser nähert sich dadurch der authentischen Rezitation des Propheten ﷺ an, so wie sie ihm offenbart wurde.
Wird der Tajwid hingegen vernachlässigt, kann dies zu einer fehlerhaften Rezitation führen, welche die Bedeutung der Verse verändert. In manchen Fällen können dadurch unbeabsichtigt sogar Aussagen entstehen, die dem Glauben widersprechen. Eine solche Rezitation stellt einen Fehler dar und kann dem Leser Belohnungen vorenthalten. Und Allah weiß es am besten.
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