Unter den gottesdienstlichen Handlungen im Leben eines Muslims nimmt das Eid-Gebet einen besonderen Platz ein. Es ist kein Gebet wie jedes andere: Es wird gemeinschaftlich verrichtet, nach Möglichkeit auf einem offenen Gebetsplatz, und verbindet Freude mit innerer Sammlung.
Für viele Muslime gehört es zu den bewegendsten Momenten des Jahres. Dennoch kommen manche am Festmorgen zum Gebet, ohne genau zu wissen, wie es abläuft, welche Formeln gesprochen werden oder wie sie sich darauf vorbereiten können.
Unabhängig davon, ob Sie regelmäßig praktizieren und Ihre Kenntnisse auffrischen möchten, den Islam neu angenommen haben oder Ihre Kinder gut vorbereitet begleiten wollen: Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Schritte klar und verständlich.
Was ist das Eid-Gebet?
Das Eid-Gebet wird sowohl an Eid al-Fitr, dem Fest nach dem Ramadan, als auch an Eid al-Adha, dem Opferfest, verrichtet. Es besteht aus zwei Rakʿa und wird von einer Predigt, der Khutba, begleitet, die nach dem Gebet gehalten wird.
Es unterscheidet sich in mehreren Punkten von den täglichen Pflichtgebeten:
- Es wird jeweils einmal am Morgen von Eid al-Fitr und Eid al-Adha verrichtet.
- Es enthält zusätzliche Takbīr, also zusätzliche Wiederholungen von „Allāhu akbar“.
- Die Khutba wird nach dem Gebet gehalten, anders als beim Freitagsgebet.
- Seine rechtliche Einstufung unterscheidet sich je nach Rechtsschule: Einige Gelehrte betrachten es als verpflichtend, andere als stark empfohlene Sunna.
Auch Frauen und Kinder können an diesem besonderen gemeinschaftlichen Ereignis teilnehmen. In authentischen Überlieferungen wird berichtet, dass Frauen dazu ermutigt wurden, die Eid-Versammlung zu besuchen. Frauen während ihrer Menstruation verrichten das Gebet nicht, können aber der Versammlung und der Predigt beiwohnen.
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Wie bereitet man sich auf das Eid-Gebet vor?
Ghusl und gepflegte Kleidung
Es ist empfohlen, sich am Morgen des Festes vor dem Gebet vollständig zu waschen. Dieser Ghusl wird in den Berichten früher Muslime und in den Ausführungen vieler Gelehrter erwähnt.
Auch gepflegte und schöne Kleidung gehört zu den empfohlenen Handlungen. Damit wird der besondere Tag geehrt, den Allah den Gläubigen als Fest gegeben hat.
Für Männer ist es empfohlen, einen angenehmen Duft zu verwenden. Frauen können sich ebenfalls gepflegt und festlich kleiden, wobei die islamischen Regeln der Bedeckung und Zurückhaltung beachtet werden.
Vor Eid al-Fitr essen, bei Eid al-Adha später essen
Zwischen den beiden Festen besteht ein Unterschied:
- Eid al-Fitr: Es ist empfohlen, vor dem Eid-Gebet etwas zu essen. Überliefert ist insbesondere, eine ungerade Anzahl Datteln zu essen. Dadurch wird sichtbar, dass das Fasten des Ramadan beendet ist.
- Eid al-Adha: Es ist empfohlen, das Essen bis nach dem Eid-Gebet aufzuschieben. Wer selbst ein Opfertier darbringt, kann anschließend davon essen.
Diese Handlungen sind empfohlen und keine Voraussetzung für die Gültigkeit des Gebets.
Die Takbīrāt auf dem Weg zum Gebet
Zu den besonderen Handlungen am Eid-Morgen gehört das Sprechen der Takbīrāt auf dem Weg zum Gebetsplatz. Sie werden in angemessener Lautstärke gesprochen, um Allah zu verherrlichen.
Eine bekannte Form lautet:
Allāhu akbar, Allāhu akbar, lā ilāha illā Allāh. Allāhu akbar, Allāhu akbar, wa lillāhi-l-ḥamd.
Allah ist der Größte, Allah ist der Größte. Es gibt keine Gottheit außer Allah. Allah ist der Größte, Allah ist der Größte, und Allah gebührt alles Lob.
Es ist außerdem empfohlen, für den Hin- und Rückweg unterschiedliche Wege zu nehmen. Diese Handlung ist vom Propheten ﷺ überliefert.
Der Ablauf des Eid-Gebets Schritt für Schritt
Die Absicht
Wie bei jedem Gebet beginnt auch das Eid-Gebet mit einer aufrichtigen Absicht im Herzen. Sie muss nicht laut ausgesprochen werden.
Es genügt, sich bewusst zu sein, dass man das zweigliedrige Eid-Gebet für Allah und gemeinsam mit der Gemeinde verrichtet.
Die erste Rakʿa
Das Gebet beginnt mit dem Eröffnungstakbīr:
Allāhu akbar.
Danach werden je nach Rechtsschule mehrere zusätzliche Takbīr gesprochen. In einer weit verbreiteten Überlieferung sind es in der ersten Rakʿa sieben zusätzliche Takbīr.
Zwischen den Takbīr kann eine kurze Pause eingelegt werden. Manche Gelehrte empfehlen, dabei Allah still zu loben und zu verherrlichen, beispielsweise mit:
Subḥānallāh, wa-l-ḥamdu lillāh, wa lā ilāha illā Allāh, wa Allāhu akbar.
Anschließend rezitiert der Imam die Fātiha und eine weitere Sure. Überliefert ist unter anderem die Rezitation der Sure Al-Aʿlā.
Die zweite Rakʿa
Beim Aufstehen zur zweiten Rakʿa wird der gewöhnliche Übergangstakbīr gesprochen.
Danach folgen nach einer verbreiteten Überlieferung fünf zusätzliche Takbīr, bevor der Imam die Fātiha und eine weitere Sure rezitiert. Überliefert ist unter anderem die Sure Al-Ghāschiya.
Das Gebet wird anschließend wie andere Gebete mit Rukūʿ, Sudschūd, Taschahhud und dem abschließenden Salām beendet.
Die genaue Anzahl und Anordnung der zusätzlichen Takbīr kann je nach Rechtsschule unterschiedlich sein. Wer hinter einem Imam betet, folgt einfach dessen Ablauf.
Die Khutba nach dem Gebet
Nach dem Gebet hält der Imam die Eid-Predigt. Anders als beim Freitagsgebet findet sie nach dem Gebet statt.
Es ist empfohlen, zu bleiben und aufmerksam zuzuhören. In der Predigt zu Eid al-Fitr werden häufig die Lehren des Ramadan, Dankbarkeit und die Fortsetzung guter Taten behandelt.
Bei Eid al-Adha stehen oft die Hingabe Ibrāhīms, das Opfer, der Haddsch und die Gottesfurcht im Mittelpunkt.
Was wird während des Eid-Gebets rezitiert?
Die wichtigsten Formeln und Bestandteile sind:
- Eröffnungstakbīr: Allāhu akbar
- Eröffnungsbittgebet: je nach Gewohnheit und Rechtsschule eine bekannte Duʿā des Gebets
- Zusätzliche Takbīr: in der ersten und zweiten Rakʿa
- Zwischen den Takbīr: nach Auffassung mancher Gelehrter Lobpreisungen Allahs
- Die Fātiha: laut durch den Imam rezitiert
- Weitere Suren: beispielsweise Al-Aʿlā und Al-Ghāschiya oder Qāf und Al-Qamar
- Der abschließende Taschahhud
- Ṣalawāt über den Propheten ﷺ
- Der abschließende Salām
Die meisten Bestandteile entsprechen den täglichen Gebeten. Die wichtigste Besonderheit sind die zusätzlichen Takbīr.
Wer noch nicht alle Formeln auswendig kennt, folgt dem Imam und lernt sie schrittweise. Das Verständnis der gesprochenen Worte hilft dabei, das Gebet bewusster zu erleben.
Das Eid-Gebet für Kinder und neue Muslime
Für viele Kinder und neue Muslime ist das Eid-Gebet eines der ersten großen gemeinschaftlichen Gebete. Die große Menschenmenge und der ungewohnte Ablauf können zunächst beeindruckend oder verwirrend wirken.
Kinder sollten vorher kurz vorbereitet werden. Erklären Sie ihnen:
- dass das Gebet zwei Rakʿa besitzt;
- dass zusätzliche Takbīr gesprochen werden;
- dass sie einfach den Bewegungen des Imams folgen sollen;
- dass es nicht schlimm ist, wenn sie noch nicht alles auswendig können;
- dass nach dem Gebet eine Predigt folgt.
Das Wichtigste ist, dass Kinder die Freude des Festes, die Gemeinschaft und die Bedeutung des Gebets kennenlernen.
Neue Muslime können sich neben eine erfahrene und vertrauenswürdige Person stellen. Es genügt, dem Imam und der Gemeinde zu folgen. Niemand muss vor der ersten Teilnahme alle Einzelheiten beherrschen.
Wer besser verstehen möchte, was im Gebet rezitiert wird, profitiert vom Erlernen des Arabischen und des Korans.
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Erwachsene können mit Al-Dirassa Arabisch online lernen oder gezielt Koranarabisch lernen, um die im Gebet gesprochenen Worte besser zu verstehen.
Häufige Fehler beim Eid-Gebet vermeiden
- Zu spät kommen: Die Gebetszeit wird von jeder Moschee oder Gemeinde selbst festgelegt. Planen Sie die Anfahrt großzügig und prüfen Sie die genaue Uhrzeit im Voraus.
- Wegen der Anzahl der Takbīr unsicher werden: Die Zahl kann je nach Rechtsschule unterschiedlich sein. Folgen Sie einfach dem Imam.
- Den Imam überholen: Wie in jedem Gemeinschaftsgebet darf man den Bewegungen des Imams nicht vorauseilen.
- Unnötig während der Khutba sprechen: Bleiben Sie aufmerksam und vermeiden Sie störende Gespräche.
- Die Kinder unvorbereitet mitnehmen: Eine kurze Erklärung vor dem Gebet hilft ihnen, ruhiger teilzunehmen.
- Nur auf Äußerlichkeiten achten: Kleidung, Essen und Feier gehören zum Eid, doch das Gebet und die Dankbarkeit gegenüber Allah bleiben der Mittelpunkt.
Was geschieht, wenn man einen Teil des Eid-Gebets verpasst?
Wer verspätet ankommt, schließt sich dem Imam in der Position an, in der er ihn vorfindet.
Nach dem Salām des Imams werden die verpassten Teile entsprechend den allgemeinen Regeln des Gemeinschaftsgebets nachgeholt.
Bei Unsicherheit über die zusätzlichen Takbīr sollte man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Das Verpassen eines einzelnen zusätzlichen Takbīr macht das Gebet nach Auffassung vieler Gelehrter nicht ungültig.
Kann man das Eid-Gebet zu Hause verrichten?
Über diese Frage bestehen unterschiedliche Auffassungen unter den Gelehrten.
Nach einigen Rechtsschulen und Gelehrten kann jemand, der das Gemeinschaftsgebet aus einem berechtigten Grund verpasst hat, das Eid-Gebet zu Hause allein oder mit der Familie verrichten. Andere schränken dies stärker ein.
Wer es zu Hause verrichtet, betet in der Regel zwei Rakʿa mit den zusätzlichen Takbīr, jedoch ohne Khutba.
Bei Unsicherheit empfiehlt es sich, der Auffassung der eigenen Rechtsschule oder der Anleitung einer vertrauenswürdigen örtlichen Moschee zu folgen.
Wie gratuliert man sich an Eid?
Nach dem Gebet ist es üblich, Familie, Freunden und anderen Muslimen zum Fest zu gratulieren.
Eine bekannte Formulierung lautet:
Taqabbala Allāhu minnā wa minkum.
Möge Allah von uns und von euch annehmen.
Diese Formulierung ist von frühen Muslimen überliefert und wird häufig an beiden Eid-Festen verwendet.
Auch andere erlaubte Glückwünsche können ausgesprochen werden, beispielsweise „Eid Mubarak“ oder persönliche Bittgebete für die Familie.
Fazit: Das Eid-Gebet bewusst erleben
Das Eid-Gebet ist keine bloße Formalität. Es gehört zu den schönsten gemeinschaftlichen Momenten des islamischen Jahres.
Muslime versammeln sich in Dankbarkeit, sprechen gemeinsam den Takbīr und beginnen den Festtag mit einer gottesdienstlichen Handlung.
Wer den Ablauf kennt, die gesprochenen Worte lernt und sich innerlich vorbereitet, erlebt das Gebet nicht nur äußerlich, sondern mit größerer Aufmerksamkeit und Verbundenheit.
Nehmen Sie sich vor jedem Eid etwas Zeit, um die Regeln aufzufrischen, Ihre Kinder vorzubereiten und den genauen Ort sowie die Gebetszeit zu prüfen.
Allah verlangt keine perfekte Leistung von einem Anfänger. Entscheidend sind Aufrichtigkeit, Bemühen und die bewusste Hinwendung zu Ihm.
Möge Allah unsere Gebete und guten Taten annehmen.
Taqabbala Allāhu minnā wa minkum.
FAQ – Häufige Fragen zum Eid-Gebet
Wie viele zusätzliche Takbīr gibt es im Eid-Gebet?
Die Anzahl unterscheidet sich je nach Rechtsschule und überlieferter Gebetsweise.
Nach einer weit verbreiteten Auffassung werden in der ersten Rakʿa sieben zusätzliche Takbīr nach dem Eröffnungstakbīr und in der zweiten Rakʿa fünf zusätzliche Takbīr gesprochen.
In der hanafitischen Rechtsschule ist beispielsweise eine andere Anzahl und Anordnung üblich.
Wer in der Gemeinschaft betet, folgt dem Imam. Die unterschiedlichen anerkannten Formen sind kein Grund für Streit oder Verunsicherung.
Sollen Frauen am Eid-Gebet teilnehmen?
Frauen werden in der prophetischen Überlieferung ausdrücklich zur Teilnahme an der Eid-Versammlung ermutigt.
Frauen während ihrer Menstruation verrichten das Gebet nicht, können aber der Versammlung und der Predigt beiwohnen, sofern die örtlichen Bedingungen dies ermöglichen.
Dabei gelten die allgemeinen islamischen Regeln zu Kleidung, Verhalten und Rücksichtnahme.
Kann das Eid-Gebet zu Hause verrichtet werden?
Nach Auffassung vieler Gelehrter ist dies möglich, wenn das gemeinschaftliche Eid-Gebet aus einem berechtigten Grund nicht besucht werden kann oder verpasst wurde.
Andere Gelehrte vertreten eine zurückhaltendere Auffassung. Deshalb ist es sinnvoll, sich an der eigenen Rechtsschule oder an der Anleitung einer örtlichen vertrauenswürdigen Moschee zu orientieren.
Wird das Gebet zu Hause verrichtet, besteht es üblicherweise aus zwei Rakʿa mit zusätzlichen Takbīr und ohne anschließende Khutba.
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