Im islamischen Jahr gibt es besondere Zeiten, bei denen es sich lohnt, bewusst innezuhalten – nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus dem aufrichtigen Wunsch heraus, Allah näherzukommen. Die ersten zehn Tage von Dhū al-Ḥijja gehören zu diesen außergewöhnlichen Zeiten.
Sie gehen Eid al-Adha voraus, umfassen die wichtigsten Tage des Haddsch und sind mit einer besonderen Verheißung verbunden: Gute Taten gehören in diesen Tagen zu den von Allah am meisten geliebten Handlungen des ganzen Jahres.
Diese Aussage verdient besondere Aufmerksamkeit. Es handelt sich nicht lediglich um feierliche oder ehrwürdige Tage, sondern um eine Zeit, in der rechtschaffene Taten bei Allah einen außergewöhnlichen Stellenwert besitzen.
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Was sagte der Prophet ﷺ über die ersten zehn Tage von Dhū al-Ḥijja?
Die besondere Bedeutung dieser zehn Tage beruht nicht auf einer bloßen Tradition oder persönlichen Einschätzung. Sie wird in einem bekannten Hadith erwähnt, den Ibn ʿAbbās überlieferte und den Al-Bukhārī in seinem Ṣaḥīḥ verzeichnete:
„Es gibt keine Tage, an denen rechtschaffene Taten Allah lieber sind als an diesen zehn Tagen.“ Die Gefährten fragten: „Nicht einmal der Einsatz auf dem Weg Allahs?“ Er antwortete: „Nicht einmal der Einsatz auf dem Weg Allahs, außer im Fall eines Mannes, der mit seinem Leben und seinem Besitz hinauszieht und mit nichts davon zurückkehrt.“
Diese Überlieferung ist eindrucksvoll. Sie zeigt, welchen Wert gute Taten während dieser Tage besitzen, und lädt jeden Muslim dazu ein, diese besondere Zeit nicht achtlos verstreichen zu lassen.
Auch im Koran werden die zehn Nächte erwähnt:
„Bei der Morgendämmerung und bei den zehn Nächten.“ (Sure Al-Faǧr, 89:1–2)
Viele Korankommentatoren, darunter Ibn Kaṯīr, beziehen diese „zehn Nächte“ auf die ersten zehn Tage von Dhū al-Ḥijja.
Warum sind diese Tage so wertvoll?
Eine einzigartige Verbindung verschiedener Formen der Anbetung
Eine Besonderheit dieser zehn Tage besteht darin, dass in ihnen mehrere zentrale Formen der Anbetung zusammenkommen.
Ibn Ḥaǧar al-ʿAsqalānī erklärt in seinem Kommentar Fatḥ al-Bārī, dass Gebet, Fasten, Almosen und Haddsch in keiner anderen Zeit des Jahres in dieser Weise gemeinsam verwirklicht werden können.
Für den Pilger in Mekka steht die Durchführung des Haddsch im Mittelpunkt. Für Muslime, die zu Hause bleiben, bieten diese Tage die Gelegenheit, ihre guten Taten zu vermehren und sich spirituell mit der gesamten Umma verbunden zu fühlen.
Der Tag von Arafat als Höhepunkt
Im Zentrum dieser zehn Tage steht der 9. Dhū al-Ḥijja, der Tag von Arafat.
Für die Pilger ist er der Höhepunkt des Haddsch. Der Aufenthalt auf der Ebene von Arafat gehört zu den grundlegenden Bestandteilen der Pilgerfahrt.
Für Muslime, die nicht am Haddsch teilnehmen, ist das Fasten an diesem Tag besonders empfohlen.
Der Prophet ﷺ sagte:
„Vom Fasten am Tag von Arafat erhoffe ich von Allah, dass Er dadurch die Sünden des vergangenen und des kommenden Jahres sühnt.“ Überliefert bei Muslim.
Ein einziger Fastentag ist somit mit der Hoffnung auf die Sühne der Sünden zweier Jahre verbunden. Diese große Barmherzigkeit steht Muslimen überall auf der Welt offen.
Eine Erinnerung an das Vermächtnis Ibrāhīms
Diese Tage stehen außerdem in enger Verbindung mit dem Propheten Ibrāhīm عليه السلام, seiner Reise nach Mekka, seiner Hingabe und seiner Bereitschaft, Allah vollkommen zu vertrauen.
Die Pilger folgen während des Haddsch den Spuren Ibrāhīms und seiner Familie. Auch diejenigen, die zu Hause bleiben, werden dazu eingeladen, ihr Vertrauen auf Allah zu erneuern und Ihm selbst dann zu gehorchen, wenn sie nicht jede Weisheit sofort verstehen.
Was kann man in den ersten zehn Tagen von Dhū al-Ḥijja tun?
Wer den Wert dieser Tage kennt, stellt sich verständlicherweise die Frage, wie er sie im Alltag sinnvoll nutzen kann.
Dhikr und Takbīr häufig sprechen
Zu den empfohlenen Handlungen gehört das häufige Sprechen des Takbīr:
Allāhu akbar, Allāhu akbar, lā ilāha illā Allāh. Allāhu akbar, Allāhu akbar, wa lillāhi-l-ḥamd.
Allah ist der Größte, Allah ist der Größte. Es gibt keine Gottheit außer Allah. Allah ist der Größte, Allah ist der Größte, und Allah gebührt alles Lob.
Diese Worte können zu Hause, auf dem Weg zur Arbeit, zwischen zwei Aufgaben und in vielen anderen Alltagssituationen wiederholt werden.
Auch andere Formen des Dhikr sind empfehlenswert, etwa:
- Subḥānallāh – gepriesen sei Allah;
- Al-ḥamdu lillāh – alles Lob gebührt Allah;
- Lā ilāha illā Allāh – es gibt keine Gottheit außer Allah;
- Astaghfirullāh – ich bitte Allah um Vergebung.
Die ersten neun Tage fasten
Es ist empfohlen, während der ersten neun Tage von Dhū al-Ḥijja freiwillig zu fasten, soweit es die eigenen Kräfte und Umstände erlauben.
Der zehnte Tag ist Eid al-Adha. An diesem Tag ist das Fasten verboten.
Besonders hervorgehoben wird das Fasten am 9. Dhū al-Ḥijja, dem Tag von Arafat. Wer nicht alle neun Tage fasten kann, sollte deshalb nach Möglichkeit wenigstens diesen einen Tag nutzen.
Nachtgebet und Koranrezitation
Die Nächte dieser Zeit können mit freiwilligen Gebeten, Koranrezitation, Dhikr und Bittgebeten belebt werden.
Es ist nicht notwendig, jede Nacht stundenlang wach zu bleiben. Bereits zwei zusätzliche Rakʿa, einige bewusst gelesene Seiten des Korans oder ein längeres persönliches Bittgebet können wertvolle Handlungen sein.
Diese Tage sind nicht nur eine äußere Vorbereitung auf Eid, sondern auch eine Zeit der inneren Reinigung und Erneuerung.
Almosen und gute Taten
Gute Taten beschränken sich nicht auf Gebet und Fasten.
Zu den wertvollen Handlungen gehören beispielsweise:
- einem bedürftigen Menschen Geld oder Lebensmittel zu geben;
- jemandem praktisch zu helfen;
- eine vernachlässigte Person anzurufen;
- eine beschädigte Beziehung zu verbessern;
- den Eltern Gutes zu tun;
- Kranke zu besuchen;
- Wissen weiterzugeben;
- einen Menschen zu trösten oder zu ermutigen.
Wenn solche Handlungen bewusst für Allah ausgeführt werden, erhalten sie in diesen Tagen eine besondere Bedeutung.
Die Absicht zur Uḍḥiya
Wer beabsichtigt, an Eid al-Adha ein Opfertier darzubringen, sollte nach einer bekannten prophetischen Überlieferung ab dem Beginn von Dhū al-Ḥijja bis zur Durchführung des Opfers keine Haare oder Nägel schneiden.
Die rechtliche Bewertung dieser Regel unterscheidet sich je nach Rechtsschule. Manche Gelehrte betrachten sie als verpflichtend, andere als empfohlen.
Sie betrifft grundsätzlich die Person, in deren Namen das Opfer erfolgt, und nicht automatisch alle Familienmitglieder.
Sind diese Tage wertvoller als der Ramadan?
Diese Frage wird häufig gestellt und erfordert eine differenzierte Antwort.
Viele Gelehrte erklären, dass die Tage der ersten zehn Tage von Dhū al-Ḥijja die besten Tage des Jahres sind. Die Nächte des Ramadan besitzen jedoch einen besonderen Vorrang, insbesondere wegen Laylat al-Qadr.
Beide Zeiten haben daher ihre eigene außergewöhnliche Bedeutung:
- Der Ramadan ist besonders mit Fasten, Koranoffenbarung, Nachtgebet und Vergebung verbunden.
- Dhū al-Ḥijja ist besonders mit guten Taten am Tag, Haddsch, Opfer, Takbīr und dem Tag von Arafat verbunden.
Diese beiden Zeiten stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Sie ergänzen sich und verdienen jeweils eine aufrichtige und bewusste Vorbereitung.
Viele Muslime kennen die Bedeutung des Ramadan sehr gut, schenken den ersten Tagen von Dhū al-Ḥijja jedoch weniger Aufmerksamkeit, obwohl die prophetischen Überlieferungen ihren außerordentlichen Wert deutlich hervorheben.
Wie kann man Kinder und Familie auf diese zehn Tage vorbereiten?
Die ersten zehn Tage von Dhū al-Ḥijja bieten eine wertvolle Gelegenheit für die religiöse Erziehung innerhalb der Familie.
Eltern können ihren Kindern erklären:
- was der Haddsch ist;
- warum sich die Pilger in Mekka versammeln;
- wer Ibrāhīm und Ismāʿīl waren;
- warum Muslime Eid al-Adha feiern;
- was der Tag von Arafat bedeutet;
- warum Dhikr und gute Taten in diesen Tagen wichtig sind.
Gemeinsame kleine Ziele können helfen, diese Zeit lebendig zu gestalten:
- jeden Tag gemeinsam den Takbīr sprechen;
- eine kurze Sure lesen oder wiederholen;
- eine Spendenbox für Bedürftige vorbereiten;
- eine gute Tat pro Tag auswählen;
- die Geschichte Ibrāhīms kindgerecht erzählen;
- gemeinsam den Ablauf des Haddsch kennenlernen.
Diese Zeit eignet sich auch gut, um das Lernen des Korans oder der arabischen Sprache zu beginnen oder wieder aufzunehmen.
Die Online-Korankurse für Kinder von Al-Dirassa bieten jungen Lernenden eine schrittweise und altersgerechte Begleitung durch qualifizierte Lehrkräfte.
Kinder können außerdem mit unseren Arabischkursen für Kinder die Grundlagen der arabischen Sprache lernen und dadurch einen direkteren Zugang zu den Worten des Korans entwickeln.
Erwachsene, die die im Koran, im Gebet und in den Duʿā verwendete Sprache besser verstehen möchten, können mit Al-Dirassa Koranarabisch online lernen oder an unseren Online-Arabischkursen teilnehmen.
Ein einfacher Plan für die ersten zehn Tage von Dhū al-Ḥijja
Ein realistischer Plan ist oft hilfreicher als ein sehr anspruchsvolles Programm, das nach wenigen Tagen aufgegeben wird.
Sie können sich beispielsweise folgende Ziele setzen:
- die fünf täglichen Gebete pünktlicher verrichten;
- jeden Tag einige Seiten des Korans lesen;
- morgens und abends Dhikr sprechen;
- täglich eine kleine gute Tat vollbringen;
- an einem oder mehreren Tagen freiwillig fasten;
- am Tag von Arafat fasten, sofern Sie nicht am Haddsch teilnehmen und gesundheitlich dazu in der Lage sind;
- eine aufrichtige Reue vollziehen;
- an Eid al-Adha eine Uḍḥiya durchführen oder Bedürftige unterstützen, soweit es die eigenen Mittel erlauben.
Entscheidend ist nicht, möglichst viele Aufgaben aufzulisten, sondern sie aufrichtig und beständig auszuführen.
Fazit: Lassen Sie die ersten zehn Tage nicht ungenutzt verstreichen
Die ersten zehn Tage von Dhū al-Ḥijja gehören zu den großzügigen Gelegenheiten, die Allah den Gläubigen im Laufe des Jahres schenkt.
In dieser Zeit können Muslime ihre guten Taten vermehren, Allah um Vergebung bitten, aufrichtig bereuen und ihre Beziehung zu Ihm erneuern.
Diese Möglichkeit steht jedem Muslim offen – unabhängig davon, ob er sich in Mekka befindet oder zu Hause bleibt.
Das Wissen um den Wert dieser Tage ist der erste Schritt. Der zweite besteht darin, eine konkrete Entscheidung zu treffen und die Tage nicht vollständig mit Ablenkungen verstreichen zu lassen.
Ein Dhikr auf dem Weg zur Arbeit, das Fasten am Tag von Arafat, einige bewusst gelesene Koranverse oder eine kleine aufrichtige Spende können bei Allah einen größeren Wert besitzen, als wir vermuten.
Möge Allah uns ermöglichen, diese Tage bewusst zu erleben, Seine Vergebung zu erhalten und Ihm näherzukommen. Āmīn.
FAQ – Häufige Fragen zu den ersten zehn Tagen von Dhū al-Ḥijja
Muss man während der ersten zehn Tage von Dhū al-Ḥijja fasten?
Nein. Das Fasten während dieser Tage ist nicht verpflichtend, sondern freiwillig und empfohlen.
Am 10. Dhū al-Ḥijja, dem Tag von Eid al-Adha, darf nicht gefastet werden.
Besonders empfohlen ist das Fasten am 9. Dhū al-Ḥijja, dem Tag von Arafat, für Muslime, die nicht am Haddsch teilnehmen.
Wer nicht alle ersten neun Tage fasten kann, kann entsprechend seinen Möglichkeiten einzelne Tage auswählen.
Sind die ersten zehn Tage von Dhū al-Ḥijja wichtiger als der Ramadan?
Viele Gelehrte unterscheiden zwischen Tagen und Nächten.
Die ersten zehn Tage von Dhū al-Ḥijja gelten als die besten Tage des Jahres. Die letzten zehn Nächte des Ramadan besitzen jedoch einen besonderen Vorrang, insbesondere wegen Laylat al-Qadr.
Beide Zeiten sind daher außergewöhnlich wertvoll und ergänzen sich.
Darf man während der ersten zehn Tage Haare oder Nägel schneiden?
Wer beabsichtigt, eine Uḍḥiya darzubringen, sollte sich nach einer bekannten Überlieferung vom Beginn des Monats Dhū al-Ḥijja bis zur Durchführung des Opfers nicht die Haare oder Nägel schneiden.
Die rechtliche Bewertung unterscheidet sich je nach Rechtsschule. Manche Gelehrte betrachten dies als verpflichtend, andere als empfohlene Sunna.
Wer selbst kein Opfer darbringt, unterliegt dieser Regel grundsätzlich nicht.
Bei gesundheitlicher oder sonstiger Notwendigkeit sollte eine erforderliche Pflege oder Behandlung nicht unterlassen werden.
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