In einem von Imam al-Bukhari überlieferten Hadith wird eine berührende Begebenheit erzählt. Der Gesandte Allahs suchte Ali im Haus seiner Tochter Fatima. Als er ihn dort nicht fand, fragte der Prophet ﷺ seine Tochter, wo sich ihr Ehemann befinde. Fatima erklärte ihm, dass es zwischen ihnen zu einer Meinungsverschiedenheit gekommen sei und Ali deshalb das Haus verlassen habe. Ohne zu zögern machte sich der Prophet ﷺ auf die Suche nach seinem Schwiegersohn. Er fand ihn schlafend in der Moschee, während die Hälfte seines Körpers mit Staub bedeckt war. Liebevoll entfernte der Prophet ﷺ den Staub von Ali und nannte ihn zärtlich „Abu Turab“ [1].
Der Beiname „Abu Turab“, wörtlich „Vater des Staubes“, mag zunächst überraschend erscheinen. Ali liebte ihn jedoch mehr als jeden anderen Beinamen. Warum war ihm dieser Name so wichtig? Die Antwort liegt darin, dass der Prophet ﷺ selbst ihn ihm gegeben hatte. Dies zeigt die tiefe Liebe, die Ali für den Gesandten Allahs empfand.
Diese Liebe zum Propheten Muhammad ﷺ prägte nicht nur das Leben Alis, sondern spielte auch eine bedeutende Rolle in der Geschichte des Islam. Ali war der erste junge Mann, der den Islam annahm. Seit den Anfängen der prophetischen Sendung gehörte er zu den engsten Gefährten des Propheten, selbst zu einer Zeit, als der Islam verachtet und abgelehnt wurde. Seine uneingeschränkte Hingabe an den Propheten machte ihn zu einem der herausragenden Muslime. Später wurde er der vierte der rechtgeleiteten Kalifen.
Alis außergewöhnliche Charakterstärke zeigte sich in einem der bedeutendsten Ereignisse seines Lebens. In der Nacht vor der Hidschra, der Auswanderung des Propheten von Mekka nach Medina, planten die Anführer der Quraisch, den Propheten zu töten. Der Prophet befahl Ali, sich in sein Bett zu legen, um die Angreifer zu täuschen. Ali nahm diese gefährliche Aufgabe an und setzte sein eigenes Leben aufs Spiel, um den Gesandten Allahs zu schützen.
Nachdem Ali diese Aufgabe erfüllt hatte, erhielt er den Auftrag, die Vermögenswerte zurückzugeben, die dem Propheten anvertraut worden waren. Anschließend sollte er selbst nach Medina auswandern. Wegen der starken Hitze war er gezwungen, nachts zu reisen. Als er Medina erreichte, waren seine Füße angeschwollen und seine Haut verletzt [3]. Trotz dieser schweren Prüfungen ist keine Klage Alis darüber überliefert, obwohl diese Aufgaben auch anderen hätten übertragen werden können.
Diese standhafte Hingabe zeigt Alis bedingungslose Liebe zum Gesandten Allahs und sein vollkommenes Vertrauen in ihn, selbst wenn sein eigenes Leben auf dem Spiel stand. Es überrascht daher nicht, dass der Prophet Ali bei mehreren Schlachten als Fahnenträger auswählte und erklärte: „Ich werde die Fahne einem Mann geben, unter dessen Führung Allah den Muslimen den Sieg gewähren wird“ [4]. Als Fahnenträger verkörperte Ali den Mut und die Tapferkeit, die notwendig waren, um die Truppen zum Sieg zu führen. Diese Eigenschaften entsprangen seiner tiefen Liebe zum Propheten.
Auch Alis Weg als muslimischer Gelehrter war bemerkenswert. Er nahm den Islam bereits in seiner Kindheit an und konnte daher viel Zeit an der Seite des Propheten ﷺ verbringen. Außerdem gehörte er zu den wenigen Menschen der damaligen arabischen Gesellschaft, die lesen und schreiben konnten. Er war ein gebildeter Mann mit einem großen Verlangen nach Wissen [5]. Diese besondere Bildung ermöglichte es ihm, direkt vom Propheten zu lernen und das erworbene Wissen erfolgreich weiterzugeben.
Ali gehörte zu den ersten Menschen, die den Koran zu Lebzeiten sammelten. Seine umfassende Kenntnis des Heiligen Buches ermöglichte es ihm, die Gründe und Umstände der einzelnen Offenbarungen zu verstehen. Seine Weisheit kommt in folgenden Worten zum Ausdruck: „Im Buch Allahs befinden sich die Geschichten derjenigen, die vor euch lebten, und Hinweise auf das, was nach euch geschehen wird. […] Wer von den Unterdrückern es vernachlässigt, den wird Allah vernichten. Wer außerhalb dieses Buches nach Rechtleitung sucht, den wird Allah in die Irre gehen lassen. […] Wer daraus spricht, sagt die Wahrheit. Wer danach handelt, wird belohnt. Wer danach richtet, handelt gerecht. Und wer dazu aufruft, wird auf einen geraden Weg geführt“ [7].
Diese Worte fassen Alis tiefe Weisheit zusammen, die aus seinem Verständnis der Folgen entstand, wenn der Koran vernachlässigt wird. In einer Zeit, in der viele ungerechte Herrscher den Koran außer Acht lassen und Menschen an anderen Orten nach Rechtleitung suchen, besitzen Alis Worte eine besondere Bedeutung. Sie zeigen den Nutzen eines Lebens, das sich an den Grundsätzen des Korans orientiert.
Alis Liebe zum Gesandten Allahs zeigte sich auch in seinen Gefühlen und seiner tiefen Verbundenheit. Er erklärte, der Prophet sei ihm lieber als sein gesamtes Vermögen, seine Kinder, seine Eltern und sogar kaltes Wasser in einem Moment großen Durstes [8]. Diese außergewöhnliche Liebe galt dem Gesandten Allahs. Ali betrachtete es als seine Pflicht, den Propheten in diesem Maß zu lieben.
Ali beschränkte sich jedoch nicht auf Gefühle und Emotionen. Wie jede aufrichtige Liebe zeigte sich auch seine Liebe in Taten. Er verstand, dass die Liebe zum Propheten durch die praktische Umsetzung seiner Lehren sichtbar werden musste. Er sagte: „Folgt der Rechtleitung eures Propheten, denn sie ist die beste Rechtleitung. Folgt seiner Sunna, denn sie ist der beste Weg“ [9]. Für Ali bestand die wahre Liebe zum Propheten darin, seiner Sunna, also seiner prophetischen Lebensweise, zu folgen. Er war überzeugt, dass die Befolgung der Sunna aus aufrichtiger Liebe und nicht aus persönlichen Wünschen oder rein verstandesmäßigen Überlegungen entstehen sollte.
Ali ging noch weiter und erklärte: „Wenn religiöse Angelegenheiten allein auf persönlichen Meinungen beruhen würden, wäre es angemessener, beim Bestreichen der Socken die Unterseite statt der Oberseite zu bestreichen“ [10]. Diese Aussage zeigt, dass für Ali die Verbundenheit mit dem Propheten und seinen Lehren über allen anderen Überlegungen stand.
Alis tiefe Verbundenheit mit dem Propheten machte ihn nicht nur zum vierten rechtgeleiteten Kalifen, sondern verlieh ihm auch eine besondere Stellung beim Gesandten Allahs. Der Prophet verglich ihn sogar mit Harun, dem Bruder von Musa, und sagte: „Bist du nicht damit zufrieden, dass du zu mir in derselben Stellung stehst wie Harun zu Musa?“ [11].
Zusammenfassend zeigt das Leben von Ali ibn Abi Talib auf eindrucksvolle Weise, dass die Liebe zum Propheten und zum Islam eine Grundlage der Religion bildet. Wenn wir nach den islamischen Grundsätzen leben, den Lehren des Korans folgen und einen starken Willen sowie einen mutigen Charakter entwickeln möchten, sollten wir uns an Alis Liebe zum Propheten orientieren.
Seine unerschütterliche Hingabe, seine Weisheit und sein Einsatz für die Sunna des Propheten lehren uns, dass sich diese Liebe durch konkrete Handlungen in unserem täglichen Leben zeigen muss. Ali, der Mann mit unerschütterlichem Mut, tiefem Wissen und beständiger Liebe zum Gesandten Allahs, bleibt ein lebendiges Vorbild dafür.
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Quellen:
[1] Sahih al-Bukhari 441. [3] Ali M. Sallaabee, Ali Ibn Abi Talib (International Islamic Publishing House, 2010), S. 83. [4] Sahih al-Bukhari 3701. [5] Ali M. Sallaabee, Ali Ibn Abi Talib (International Islamic Publishing House, 2010), S. 113. [7] Ebd. [8] Eigene Übersetzung des Al-Dirassa-Instituts aus arabischen Quellen. [9] Ebd. [10] Sunan Abi Dawud 162. [11] Sahih al-Bukhari 3706.
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