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Die Ghunna im Tajwid

15. März 2021 – Al-Dirassa Institut

Tajwīd-Unterricht über die Ghunna

Die Ghunna gehört zu den grundlegenden Begriffen des Tajwid. Sie bezeichnet einen nasalen Klang, der hauptsächlich mit den Buchstaben ن und م verbunden ist. Für eine korrekte Koranrezitation genügt es nicht, die arabischen Buchstaben zu kennen. Ebenso wichtig ist es, bestimmte Laute präzise zu bilden, insbesondere diejenigen, deren Klang aus dem Nasenraum hervortritt.

Die Ghunna tritt in mehreren Tajwid-Regeln auf: bei Nūn und Mīm mit Schadda, in bestimmten Fällen des Idghām, beim Ikhfāʾ, beim Iqlāb und in einigen Regeln des Mīm sākinah. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Ghunna selbst, ihre Definition, ihre Funktion, ihre Dauer und die häufigsten Fehler.

Die besonderen Regeln des Mīm sākinah werden in unserem ausführlichen Artikel behandelt: Regeln des Mīm sākinah im Tajwid.

Was ist die Ghunna im Tajwid?

Die Ghunna, auf Arabisch غُنَّةٌ, ist ein nasaler Klang, dessen hörbarer Austritt aus dem Nasenraum erfolgt. Dieser Bereich wird auf Arabisch الخَيْشُومُ genannt.

Der Klang entsteht nicht allein im Mund, an der Zunge oder an den Lippen. Seine charakteristische Resonanz tritt durch den Nasenraum hervor.

Die Ghunna ist eine feste Eigenschaft der Buchstaben ن und م. Ihre Stärke und Dauer unterscheiden sich jedoch je nach Stellung und Tajwid-Regel.

Wenn eine deutliche Ghunna vorgeschrieben ist, muss sie hörbar sein, ohne ausgelassen oder übermäßig verlängert zu werden.

Wo entsteht der Klang der Ghunna?

Der Austrittsbereich der Ghunna ist der Nasenraum, الخَيْشُومُ. Dies lässt sich praktisch feststellen, indem man während der Aussprache eines gedehnten nasalen Klanges die Nase kurz zuhält.

Wird der Nasenweg verschlossen, verändert sich der Klang deutlich oder wird unterbrochen. Dies zeigt, dass die Ghunna aus dem Nasenraum hervortritt.

Die Artikulationsstellen von ن und م selbst bleiben dennoch wichtig:

  • Das ن wird grundsätzlich mit der Zungenspitze artikuliert.
  • Das م wird durch das Schließen der beiden Lippen gebildet.
  • Die nasale Resonanz beider Buchstaben tritt aus dem Nasenraum hervor.

Warum ist die Ghunna wichtig?

Die Ghunna verleiht der Rezitation phonetische Genauigkeit. Wird sie ausgelassen, werden bestimmte Tajwid-Regeln nicht korrekt ausgeführt. Wird sie dagegen übermäßig verlängert, wirkt die Rezitation schwer, künstlich und unnatürlich.

Das Ziel besteht darin, ein ausgewogenes Maß einzuhalten:

  • den nasalen Klang dort hörbar machen, wo er vorgeschrieben ist;
  • die angemessene Dauer einhalten;
  • keinen zusätzlichen Vokal erzeugen;
  • anschließend natürlich zur nächsten Artikulationsstelle übergehen.

Die theoretische Erklärung hilft beim Verständnis. Die praktische Anwendung benötigt jedoch genaues Zuhören und mündliche Korrektur. Unsere Online-Tajwidkurse ermöglichen es, die Ghunna mit einer qualifizierten Lehrkraft zu hören, zu wiederholen und unmittelbar korrigieren zu lassen.

Die Ghunna bei Nūn mit Schadda

Trägt ein Nūn eine Schadda, muss es mit einer deutlich hörbaren Ghunna ausgesprochen werden. Die Schadda zeigt an, dass der Buchstabe verdoppelt ist.

Ein Nūn mit Schadda kann lautlich als Verbindung zweier Nūn verstanden werden:

  • ein erstes Nūn mit Sukūn;
  • ein zweites Nūn mit einem kurzen Vokal.

Die beiden Buchstaben verschmelzen in der Schrift zu einem einzigen نّ, bleiben in ihrer Verdopplung jedoch hörbar.

Beispiel:

قُلْ أَعُوذُ بِرَبِّ النَّاسِ

Sprich: „Ich suche Zuflucht beim Herrn der Menschen.“ (114:1)

Im Wort النَّاسِ trägt das Nūn eine Schadda. Die Ghunna muss deutlich und gewöhnlich über zwei Zähleinheiten gehalten werden, ohne sie zu verkürzen oder übertrieben auszudehnen.

Die Ghunna bei Mīm mit Schadda

Ein Mīm mit Schadda folgt demselben Grundprinzip. Es besteht lautlich aus zwei zusammengeführten Mīm:

  • einem ersten Mīm mit Sukūn;
  • einem zweiten Mīm mit einem Vokal.

Während der Aussprache bleiben die Lippen geschlossen, und der nasale Klang tritt deutlich durch den Nasenraum hervor.

Beispiel:

وَمَا مُحَمَّدٌ إِلَّا رَسُولٌ قَدْ خَلَتْ مِن قَبْلِهِ الرُّسُلُ

Muhammad ist nur ein Gesandter. Vor ihm sind bereits Gesandte dahingegangen. (3:144)

Im Wort مُحَمَّدٌ trägt das Mīm eine Schadda. Die Ghunna muss klar, gleichmäßig und natürlich hörbar sein.

Nūn und Mīm mit Schadda: die stärkste Ghunna

Die deutlichste und vollständigste Form der Ghunna tritt bei نّ und مّ auf. Diese beiden Formen werden häufig als حَرْفَا غُنَّةٍ مُشَدَّدَانِ bezeichnet, also als verdoppelte Buchstaben mit Ghunna.

Unabhängig davon, ob sie am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Wortes stehen, muss die Ghunna beibehalten werden.

Weitere Beispiele:

  • إِنَّ;
  • ثُمَّ;
  • عَمَّ;
  • جَنَّاتٍ.

Die Ghunna beim Idghām

Die Ghunna tritt auch bei bestimmten Formen des Idghām auf. Wenn ein Nūn sākinah oder ein Tanwīn von einem der Buchstaben des Merkwortes يَنْمُو gefolgt wird, erfolgt ein Idghām mit Ghunna.

Die Buchstaben sind:

ي ن م و

Das Nūn sākinah oder der Tanwīn wird dabei in den folgenden Buchstaben eingefügt, während die nasale Resonanz erhalten bleibt.

Beispiel:

وَمَا أَنزَلَ اللَّـهُ مِنَ السَّمَاءِ مِن مَّاءٍ فَأَحْيَا بِهِ الْأَرْضَ

Und was Allah an Wasser vom Himmel herabgesandt und womit Er die Erde belebt hat. (2:164)

In der Verbindung مِن مَّاءٍ wird das Nūn sākinah in das folgende Mīm eingefügt. Dabei entsteht ein Idghām mit Ghunna.

Eine ausführliche Erklärung finden Sie in unserem Leitfaden: Idghām im Tajwid: Assimilation mit und ohne Ghunna.

Idghām ohne Ghunna

Nicht jede Form des Idghām wird mit Ghunna ausgesprochen. Folgt auf Nūn sākinah oder Tanwīn ein ل oder ر, erfolgt gewöhnlich ein Idghām ohne Ghunna.

Die Buchstaben des Idghām werden insgesamt im Merkwort يَرْمَلُونَ zusammengefasst:

  • mit Ghunna: ي، ن، م، و;
  • ohne Ghunna: ل، ر.

Diese Unterscheidung ist wichtig, da Anfänger häufig bei jeder Assimilation automatisch eine Nasalierung hinzufügen.

Die Ghunna beim Ikhfāʾ

Beim Ikhfāʾ wird der Klang des Nūn sākinah oder des Tanwīn weder vollständig klar ausgesprochen noch vollständig in den folgenden Buchstaben eingefügt. Er wird teilweise verborgen und mit einer Ghunna verbunden.

Die Zunge nimmt dabei nicht die vollständige Artikulationsstelle des Nūn ein. Der nasale Klang bleibt hörbar, während sich der Mund bereits auf den folgenden Buchstaben vorbereitet.

Beispiel:

إِنَّا أَنزَلْنَاهُ فِي لَيْلَةِ الْقَدْرِ

Wir haben ihn wahrlich in der Nacht der Bestimmung herabgesandt. (97:1)

Im Wort أَنزَلْنَاهُ wird das Nūn sākinah vor dem Buchstaben ز mit Ikhfāʾ und Ghunna ausgesprochen.

Die Ghunna beim Iqlāb

Beim Iqlāb wird ein Nūn sākinah oder Tanwīn vor dem Buchstaben ب lautlich in ein verborgenes Mīm umgewandelt.

Die Lippen werden dabei auf das folgende ب vorbereitet, ohne das verborgene Mīm vollständig und hart auszusprechen. Gleichzeitig bleibt eine deutliche Ghunna hörbar.

Beispiel:

مِنۢ بَعْدِ

Die Aussprache nähert sich einem verborgenen Mīm mit nasaler Resonanz, ohne dass zwischen beiden Wörtern ein zusätzlicher Vokal eingefügt wird.

Die Ghunna in den Regeln des Mīm sākinah

Auch bei einem Mīm mit Sukūn tritt die Ghunna in unterschiedlicher Stärke auf.

Ikhfāʾ schafawī

Steht nach einem مْ ein ب, wird das Mīm verborgen mit Ghunna ausgesprochen.

Beispiel:

تَرْمِيهِم بِحِجَارَةٍ

Idghām schafawī

Steht nach einem مْ ein weiteres م, werden beide Mīm miteinander verschmolzen und mit einer deutlichen Ghunna gesprochen.

Beispiel:

لَهُم مَّا يَشَاءُونَ

Iẓhār schafawī

Vor allen übrigen Buchstaben wird das Mīm sākinah grundsätzlich klar ausgesprochen. Die natürliche nasale Eigenschaft des Mīm bleibt bestehen, darf aber nicht wie beim Ikhfāʾ oder Idghām übermäßig hervorgehoben werden.

Wie lange dauert die Ghunna?

Im Tajwid-Unterricht wird häufig erklärt, dass eine deutliche Ghunna zwei Zähleinheiten, auf Arabisch حَرَكَتَانِ, dauert. Dies gilt insbesondere für:

  • Nūn mit Schadda;
  • Mīm mit Schadda;
  • Idghām mit Ghunna;
  • Ikhfāʾ;
  • Iqlāb;
  • Ikhfāʾ schafawī;
  • Idghām schafawī.

Eine Zähleinheit ist keine festgelegte Sekunde. Ihre Dauer richtet sich nach dem gleichmäßigen Tempo der Rezitation.

Bei langsamer Rezitation sind zwei Zähleinheiten entsprechend länger als bei schneller Rezitation. Das Verhältnis muss jedoch gleichmäßig bleiben.

Die Ghunna darf weder so kurz sein, dass sie kaum hörbar ist, noch so lang, dass sie wie eine zusätzliche Madd-Dehnung klingt.

Die unterschiedlichen Stufen der Ghunna

Die nasale Eigenschaft von Nūn und Mīm ist grundsätzlich vorhanden. Ihre hörbare Stärke unterscheidet sich jedoch je nach Regel.

Vereinfacht können folgende Stufen unterschieden werden:

  1. Am stärksten: bei نّ und مّ.
  2. Deutlich: beim Idghām mit Ghunna.
  3. Deutlich verborgen: beim Ikhfāʾ und Iqlāb.
  4. Schwächer: bei einem klar ausgesprochenen Nūn oder Mīm mit Sukūn.
  5. Natürlich vorhanden: bei einem gewöhnlich vokalisierten Nūn oder Mīm.

Diese Abstufung sollte nicht allein theoretisch umgesetzt werden. Sie wird am zuverlässigsten durch Zuhören und direkte Korrektur erlernt.

Häufige Fehler bei der Ghunna

  • die Ghunna bei Nūn oder Mīm mit Schadda auszulassen;
  • die Nasalierung übermäßig zu verlängern;
  • die Ghunna zu kurz auszusprechen;
  • eine Nasalierung an Stellen hinzuzufügen, an denen sie nicht vorgeschrieben ist;
  • den Klang in den Mund statt in den Nasenraum zu verlagern;
  • beim Mīm die Lippen während der Ghunna nicht korrekt zu schließen;
  • beim Ikhfāʾ das Nūn vollständig klar auszusprechen;
  • beim Iqlāb ein hartes, vollständig artikuliertes Mīm zu erzeugen;
  • Idghām mit Ghunna und Idghām ohne Ghunna zu verwechseln;
  • die Ghunna wie einen langen Vokal zu behandeln;
  • die Regel nur theoretisch zu lernen, ohne mündliche Korrektur.

Wie kann man die Ghunna richtig üben?

Zum Erlernen der Ghunna sind genaues Zuhören, langsame Wiederholung und die Rezitation vor einer Lehrkraft besonders wichtig.

Eine sinnvolle Lernfolge besteht darin:

  • die Buchstaben ن und م sicher zu erkennen;
  • ihre Artikulationsstellen zu verstehen;
  • den Nasenraum als Klangquelle der Ghunna wahrzunehmen;
  • zunächst نّ und مّ isoliert zu üben;
  • Wörter wie إِنَّ, ثُمَّ und جَنَّاتٍ langsam zu wiederholen;
  • anschließend Idghām, Ikhfāʾ und Iqlāb getrennt zu üben;
  • die Ghunna in vollständigen Versen anzuwenden;
  • die eigene Rezitation aufnehmen und mit einer zuverlässigen Rezitation vergleichen;
  • sich von einer qualifizierten Lehrkraft korrigieren lassen.

Übungen zur Ghunna

Beginnen Sie mit Nūn und Mīm mit Schadda:

  • إِنَّ;
  • أَنَّ;
  • جَنَّةٌ;
  • ثُمَّ;
  • عَمَّ;
  • مُحَمَّدٌ.

Üben Sie danach verschiedene Tajwid-Regeln:

Regel Beispiel Zu beachten
Nūn mit Schadda إِنَّا Deutliche Ghunna mit Schadda
Mīm mit Schadda ثُمَّ Lippen schließen und Ghunna hören lassen
Idghām mit Ghunna مِن مَّاءٍ Nūn in das folgende Mīm einfügen
Ikhfāʾ مِن شَرٍّ Nūn verbergen und auf den nächsten Buchstaben vorbereiten
Iqlāb مِنۢ بَعْدِ Verborgenes Mīm mit Ghunna
Ikhfāʾ schafawī هُم بِهِ Mīm vor Bāʾ verbergen

Die Ghunna mit einer Lehrkraft lernen

Die Ghunna ist eine hörbare und praktische Eigenschaft. Schriftliche Beschreibungen können ihre Funktionsweise erklären, aber nicht vollständig vermitteln, ob Klang, Dauer und Artikulation korrekt sind.

Eine Lehrkraft kann feststellen:

  • ob der Klang tatsächlich aus dem Nasenraum kommt;
  • ob die Ghunna zu kurz oder zu lang ist;
  • ob die Lippen beim Mīm richtig geschlossen werden;
  • ob der Übergang zum folgenden Buchstaben korrekt erfolgt;
  • ob an einer ungeeigneten Stelle eine zusätzliche Nasalierung eingefügt wird.

Für einen strukturierten Lernweg können Sie unsere Online-Tajwidkurse oder unsere Online-Korankurse besuchen.

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FAQ: Die Ghunna im Tajwid

Was ist die Ghunna?

Die Ghunna ist ein nasaler Klang, der aus dem Nasenraum hervortritt. Sie ist hauptsächlich mit den Buchstaben Nūn und Mīm verbunden.

Bei welchen Buchstaben tritt die Ghunna auf?

Sie ist eine feste Eigenschaft von ن und م. Besonders deutlich wird sie bei Nūn und Mīm mit Schadda sowie bei bestimmten Regeln des Nūn sākinah, Tanwīn und Mīm sākinah.

Wann muss eine deutliche Ghunna ausgesprochen werden?

Eine deutliche Ghunna tritt insbesondere bei نّ und مّ, beim Idghām mit Ghunna, Ikhfāʾ, Iqlāb, Ikhfāʾ schafawī und Idghām schafawī auf.

Wie lange dauert die Ghunna?

In den wichtigsten Fällen wird sie gewöhnlich über zwei Zähleinheiten gehalten. Die tatsächliche Dauer richtet sich nach dem gleichmäßigen Tempo der Rezitation und sollte nicht in festen Sekunden gemessen werden.

Kommt die Ghunna aus dem Mund oder aus der Nase?

Ihre charakteristische Resonanz tritt aus dem Nasenraum, الخَيْشُومُ, hervor. Die Buchstaben Nūn und Mīm besitzen dennoch ihre eigenen Artikulationsstellen an der Zunge beziehungsweise an den Lippen.

Gibt es bei jedem Idghām eine Ghunna?

Nein. Bei den Buchstaben ي، ن، م، و erfolgt Idghām mit Ghunna. Bei ل und ر erfolgt Idghām ohne Ghunna.

Kann man die Ghunna allein lernen?

Die theoretischen Grundlagen lassen sich selbstständig verstehen. Für eine zuverlässige Kontrolle von Klang, Dauer und Artikulation ist die Korrektur durch eine qualifizierte Lehrkraft jedoch besonders hilfreich.

Fazit

Die Ghunna ist eine grundlegende Eigenschaft im Tajwid. Sie ermöglicht eine präzise Rezitation, insbesondere bei Nūn, Mīm, Schadda, Idghām, Ikhfāʾ, Iqlāb und den Regeln des Mīm sākinah.

Für ihre korrekte Anwendung müssen zwei Extreme vermieden werden: die Ghunna vollständig auszulassen oder sie übermäßig zu verlängern. Der nasale Klang soll deutlich, kontrolliert und dem jeweiligen Rezitationstempo angepasst sein.

Mit genauem Zuhören, regelmäßiger Wiederholung und der Unterstützung einer qualifizierten Lehrkraft kann der Lernende seine Aussprache verbessern und die Ghunna sicherer in der Koranrezitation anwenden.

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