Einleitung
Der Erwerb einer Immobilie ist ein bedeutendes Lebensprojekt, das nicht leichtfertig begonnen werden sollte. Vielmehr erfordert es eine gründliche und sorgfältige Planung. Vor einer solchen Entscheidung sollten zahlreiche wichtige Fragen geklärt werden. Dazu gehört beispielsweise, wann der richtige Zeitpunkt für den Kauf ist, welche Art von Immobilie den eigenen Bedürfnissen entspricht, an welchem Ort sie erworben werden soll und wie die Finanzierung erfolgen kann – insbesondere, wenn dafür ein Immobilienkredit in Betracht gezogen wird.
Für einen Muslim sollte dabei stets eine grundlegende Frage im Mittelpunkt stehen: Ist dieses Vorgehen aus islamischer Sicht erlaubt, also halal, oder verboten, also haram?
Der Prophet Muhammad ﷺ lehrte, dass das Erlaubte klar und das Verbotene ebenfalls klar ist. Dazwischen gibt es jedoch zweifelhafte Angelegenheiten, deren Beurteilung vielen Menschen nicht eindeutig erscheint. In solchen Situationen ist es besser, Abstand zu nehmen. Wer zweifelhafte Bereiche meidet, schützt seinen Glauben und seine Ehre. Wer sich dagegen auf unklare Angelegenheiten einlässt, läuft Gefahr, in das Verbotene zu geraten – ähnlich wie ein Hirte, der seine Herde nahe einem geschützten Gebiet weiden lässt und riskiert, dass die Tiere dieses betreten.
Jeder Herrscher besitzt ein geschütztes Gebiet, und das geschützte Gebiet Allahs sind Seine Verbote. Daher ist es wichtig, zweifelhafte Angelegenheiten zu vermeiden, um die Unversehrtheit des eigenen Glaubens zu bewahren.
Der Prophet Muhammad ﷺ betonte in diesem Zusammenhang außerdem die Bedeutung des Herzens. Ein gesundes und aufrichtiges Herz führt den gesamten Körper zu gerechten und erlaubten Handlungen. Ein verdorbenes Herz kann dagegen zu falschen und verbotenen Entscheidungen führen. Deshalb ist es wichtig, das eigene Herz rein zu halten und die Erlaubtheit der eigenen Handlungen zu prüfen – auch beim Erwerb einer Immobilie.
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1. Zwischen halal und haram unterscheiden: Die Grundlagen verstehen
Im Islam gilt der grundlegende Grundsatz, dass halal das ist, was Allah und Sein Gesandter als erlaubt erklärt haben. Haram ist entsprechend das, was Allah und Sein Gesandter verboten haben. Die Religion beruht auf dem, was Allah und Sein Gesandter festgelegt haben. Niemand ist berechtigt, von dem geraden Weg abzuweichen, den der Gesandte entsprechend dem göttlichen Auftrag aufgezeigt hat.
Allah, der Erhabene, sagt in Sure Al-Anʿam, Vers 153:
„Und dies ist Mein gerader Weg. So folgt ihm und folgt nicht den anderen Wegen, damit sie euch nicht von Seinem Weg trennen. Das hat Er euch aufgetragen, auf dass ihr gottesfürchtig werdet.“
Beim Immobilienkauf im Islam müssen mehrere Aspekte erlaubt sein:
- die Immobilie selbst;
- ihre vorgesehene Nutzung;
- die Herkunft der für den Kauf verwendeten Mittel.
Viele Muslime, die Wohneigentum erwerben möchten, stehen jedoch vor einer großen Schwierigkeit: Wie lässt sich der Kauf finanzieren, ohne auf das klassische zinstragende Bankensystem und einen gewöhnlichen Immobilienkredit zurückzugreifen?
Riba, also Zins und Wucher, ist im Islam eindeutig verboten. Darüber besteht seit der Zeit des Propheten Muhammad ﷺ ein grundsätzlicher Konsens.
Weiterführend: Was ist Riba im Islam?
2. Was ist Riba bei einem Immobilienkredit?

Riba bei einem Immobilienkredit bezeichnet die auf ein Darlehen erhobenen Zinsen. Die koranische Grundlage für dieses Verbot findet sich in Sure Al-Baqara, insbesondere in den Versen über den Zins. Allah, der Erhabene, sagt:
„Diejenigen, die Zins verschlingen, werden nicht anders aufstehen als jemand, den der Satan durch Berührung niedergeschlagen hat.
Dies deshalb, weil sie sagen: ‚Handel ist doch dasselbe wie Zins.‘ Doch Allah hat den Handel erlaubt und den Zins verboten.
Wer nach der Ermahnung seines Herrn davon ablässt, dem bleibt, was bereits geschehen ist, und seine Angelegenheit liegt bei Allah. Wer jedoch zurückkehrt, das sind die Bewohner des Feuers. Darin werden sie bleiben.
Allah lässt den Zins dahinschwinden und vermehrt die Almosen. Und Allah liebt keinen beharrlich undankbaren Sünder.“
Das Verbot von Riba ist ein göttliches Gebot. Unter den islamischen Gelehrten besteht grundsätzlich Einigkeit darüber, dass Zinsen auf Darlehen unter dieses Verbot fallen. Zwar gibt es weitere Formen von Riba, die durch den Propheten Muhammad ﷺ erläutert wurden, doch hier geht es vor allem um klassische Bankzinsen.
Manche Menschen verweisen auf Fatwas, die unter bestimmten Bedingungen die Nutzung eines zinstragenden Immobilienkredits zum Erwerb einer selbst genutzten Immobilie erlauben. Wichtig ist jedoch, dass diese Fatwas unter den islamischen Gelehrten nicht allgemein anerkannt sind.
Eine bekannte Stellungnahme stammt vom Europäischen Rat für Fatwa und Forschung, dem European Council for Fatwa and Research, der unter bestimmten Voraussetzungen und bei einem besonderen Bedarf einen Immobilienkredit mit Zinsen erlaubt hat. Diese Auffassung bindet jedoch nur diejenigen, die ihr folgen, und wurde von vielen anderen Gelehrten nicht übernommen.
Darüber hinaus wird selbst bei solchen Ausnahmegenehmigungen gewöhnlich zunächst auf die Schwere und das grundsätzliche Verbot von Riba hingewiesen. Es handelt sich somit nicht um eine allgemeine Aufhebung des Verbots, sondern um eine abweichende Beurteilung bestimmter Ausnahmesituationen.
Letztlich sollte ein Muslim danach streben, seinem Schöpfer zu gefallen und Seine Gebote zu befolgen. Die Vorschriften der Scharia beruhen auf der Weisheit Allahs. Ihre Beachtung stärkt den Glauben und die Beziehung zu Allah.
3. Wie sollte sich ein Muslim gegenüber dem Zinsverbot verhalten?
Aus islamischer Sicht ist es nicht verpflichtend, Eigentümer einer Immobilie zu sein. Ein Familienverantwortlicher muss seiner Familie jedoch eine angemessene Unterkunft bieten. Wer eine Immobilie rechtmäßig besitzt, genießt den Schutz seines Eigentums.
Der Islam erlaubt grundsätzlich den Erwerb von Vermögen, sofern die Immobilie aus Sicht der Scharia erlaubt ist, die verwendeten Mittel halal sind und das Eigentum die Ausübung der religiösen Pflichten nicht behindert.
Für Muslime kann es außerdem sinnvoll sein, nach größerer Unabhängigkeit bei Arbeit und Wohnen zu streben. Der Islam fördert Eigentum und unternehmerisches Handeln, wenn diese auf erlaubte Weise erworben und genutzt werden. Eine wirtschaftlich starke und unabhängige Gemeinschaft kann daraus Nutzen ziehen. Dennoch handelt es sich nicht um eine religiöse Pflicht.
Der Erwerb irdischer Güter darf den Muslim nicht von der Erkenntnis ablenken, dass alles vergänglich ist und eine übermäßige Bindung an materielle Dinge vermieden werden sollte.
Der Prophet ﷺ sagte:
„Reichtum besteht nicht in der Menge des Besitzes. Wahrer Reichtum ist der Reichtum der Seele.“ Überliefert von Al-Bukhari und Muslim.
Die Suche nach Vermögen und materiellen Gütern ist im Islam kein Selbstzweck. Sie kann jedoch ein Mittel zur finanziellen Unabhängigkeit und zur Verwirklichung guter Ziele sein. Bei unerwarteten Schwierigkeiten kann Eigentum beispielsweise dazu beitragen, sich weniger Sorgen um die Zahlung der Miete machen zu müssen.
Finanzielle Stabilität kann außerdem Mittel freisetzen, um die Ausbildung der Kinder zu unterstützen, Almosen zu geben, Bedürftigen zu helfen und weitere gute Taten zu finanzieren.
Das Streben nach Vermögen ist somit kein endgültiges Ziel, sondern ein Mittel für höhere Ziele. Allah, der Erhabene, sagt in Sure Al-Hadid, Vers 7:
„Glaubt an Allah und Seinen Gesandten und gebt von dem aus, worüber Er euch zu Sachwaltern gemacht hat. Diejenigen von euch, die glauben und ausgeben, erhalten einen großen Lohn.“
4. Warum in Immobilien investieren?

Es ist wichtig, den tatsächlichen Grund zu verstehen, weshalb Sie eine Immobilie erwerben möchten. Besteht die einzige Motivation darin, „kein Geld mehr für Miete zu verschwenden“, sollte diese Annahme kritisch geprüft werden. Sie ist sowohl aus islamischer als auch aus finanzieller Sicht nicht zwingend richtig.
Selbst wenn man Miete als verlorenes Geld betrachten würde, könnte diese Vorstellung zu impulsivem Verhalten und überstürzten Käufen führen. Sie könnte einen Menschen außerdem dazu bewegen, jede verfügbare Finanzierungsform anzunehmen, ohne ihre islamische Zulässigkeit sorgfältig zu prüfen.
Der Kauf einer Immobilie sollte jedoch gründlich geplant und analysiert werden. Dieser Prozess kann mehrere Monate oder sogar Jahre in Anspruch nehmen, bevor eine passende und finanzierbare Lösung gefunden wird.
Grundsätzlich hindert nichts einen Muslim daran, Eigentümer zu werden, sofern die Immobilie und ihre Nutzung erlaubt sind, die Finanzierung aus erlaubten Mitteln erfolgt und das Eigentum nicht von der Anbetung Allahs ablenkt.
Im Gegenteil kann es positiv sein, wirtschaftliche Unabhängigkeit anzustreben und sich von unnötiger Abhängigkeit zu lösen, beispielsweise von der willkürlichen Entscheidung eines Vermieters. Voraussetzung bleibt jedoch, dass der Erwerb tatsächlich möglich und islamisch zulässig ist.
5. Immobilie kaufen oder mieten?
Im alltäglichen Sprachgebrauch wird die Miete häufig mit einem Verlust von Geld gleichgesetzt. Aus islamischer Sicht ist diese pauschale Annahme jedoch nicht richtig.
Zunächst ist zu beachten, dass eine Unterkunft ein grundlegendes menschliches Bedürfnis ist. Ob man Mieter oder Eigentümer ist, ändert nichts daran, dass dieses Bedürfnis erfüllt werden muss.
Zweitens ist jede Situation individuell und muss gesondert bewertet werden. Allgemeingültige Aussagen sind kaum möglich, insbesondere in einem Finanzsystem, in dem verbotene Finanzierungsformen weit verbreitet sind.
Die Miete bietet eine größere Flexibilität. Dies kann für Menschen wichtig sein, die mobil bleiben müssen oder berufliche und persönliche Freiheit benötigen.
Der Immobilienkauf ist dagegen eine langfristige Investition und kann eine Form der Sicherheit bieten. Der finanzielle Aspekt bleibt jedoch entscheidend. Es muss geprüft werden, ob der Kauf im Vergleich zur Miete tatsächlich sinnvoll und tragbar ist.
Jede Situation sollte daher pragmatisch und individuell beurteilt werden. Die passende Entscheidung hängt von den eigenen Bedürfnissen, der finanziellen Lage, dem Aufenthaltsort und den persönlichen Zielen ab.

Bei einem finanziellen Vergleich zwischen Kauf und Miete fällt zunächst auf, dass die Miete wesentlich einfacher organisiert werden kann als ein Immobilienkauf.
Der Erwerb einer Immobilie erfordert eine erhebliche Geldsumme. Neben dem eigentlichen Kaufpreis entstehen weitere Kosten, darunter Bearbeitungsgebühren, Notarkosten, Steuern, jährliche Abgaben und laufende Kosten für Reparaturen und Instandhaltung. Diese Ausgaben werden von Käufern häufig unterschätzt.
Es gibt unterschiedliche Formeln und Online-Rechner, mit denen Kauf und Miete miteinander verglichen werden können. Für Muslime besteht jedoch ein besonderes Problem darin, dass viele dieser Berechnungen davon ausgehen, angespartes Kapital werde in verzinste Finanzprodukte investiert.
Solche Produkte können aus islamischer Sicht problematisch oder verboten sein. Deshalb müssen gewöhnliche Finanzrechner mit Vorsicht verwendet und an islamische Grundsätze angepasst werden.
6. Alternativen zur Immobilieninvestition
Der erste wichtige Schritt zur Vermeidung von Riba besteht darin, sich nicht unter Druck zu setzen, Eigentümer werden zu müssen, wenn die erforderlichen finanziellen Mittel nicht vorhanden sind.
Wer investieren möchte, aber nicht über das notwendige Kapital für eine Immobilie verfügt, kann andere Investitionsmöglichkeiten prüfen. Manche von ihnen benötigen weniger Kapital und können je nach Situation wirtschaftlich sinnvoller sein.
Es ist wichtig, sich über die verschiedenen Investitionsformen zu informieren, ihre Risiken zu verstehen und ihre islamische Zulässigkeit sorgfältig zu prüfen.
Auch der Kauf einer Immobilie im Ausland, insbesondere in einem mehrheitlich muslimischen Land, kann für manche Personen eine mögliche Alternative darstellen. Die Kosten können dort niedriger sein. Außerdem kann eine solche Immobilie als Wohnsitz dienen, falls später eine Hidschra in ein muslimisches Land geplant ist.
Eine solche Entscheidung kann finanzielle und spirituelle Vorteile bieten, muss jedoch genauso sorgfältig hinsichtlich Eigentumsrecht, Steuern, Aufenthaltsrecht, Verwaltung, Risiken und islamischer Zulässigkeit geprüft werden.
Fazit
Bei finanziellen Entscheidungen reicht es aus islamischer Sicht nicht aus, lediglich einen Taschenrechner zu verwenden und die mögliche Rendite einer Immobilieninvestition zu bestimmen.
Die entscheidende Frage lautet auch, ob die Handlung gegenüber Allah angenommen wird. Die Anbetung Allahs, des Erhabenen, besitzt höchste Priorität. Dies ist eine wichtige Erinnerung für jeden, der erwägt, einen zinstragenden Kredit aufzunehmen.
Was ist tatsächlich wichtiger: Eigentümer in dieser vergänglichen Welt zu sein, die nur eine begrenzte Zeit besteht, oder im ewigen Jenseits ein Haus im Paradies zu erhalten?
Der Prophet Muhammad ﷺ lehrte die Bedeutung guter Taten für das Jenseits. So wird überliefert, dass Allah demjenigen ein Haus im Paradies errichtet, der bestimmte gottesdienstliche Handlungen aufrichtig verrichtet.
Auch wird ein Haus im Paradies für Menschen versprochen, die auf Streit verzichten, selbst wenn sie im Recht sind, die Lügen vermeiden und einen guten Charakter besitzen.
Darüber hinaus ermutigte der Prophet ﷺ zu den freiwilligen Gebeten. Wer täglich zwölf freiwillige Gebetseinheiten zusätzlich zu den Pflichtgebeten verrichtet, dem wird von Allah ein Haus im Paradies errichtet.
Deshalb sollte man sich daran erinnern, dass das diesseitige Leben nicht nur aus Vergnügen und Unterhaltung besteht. Das wahre und dauerhafte Leben ist das Leben im Jenseits.
Diese Erkenntnis hilft dabei, finanzielle Entscheidungen in die richtige Perspektive zu setzen und vor allem nach dem Wohlgefallen Allahs zu streben.
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