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Tajwid-Regeln bei Versen mit إِلَّا und وَلَكِن

7. April 2021 – Al-Dirassa Institut

Tajwīd-Unterricht über as-Sunnah al-Fawāṣil und at-Taʿabbudiyya

Bei der Koranrezitation gibt es Stellen, an denen ein neuer Vers grammatisch und inhaltlich eng mit dem vorherigen Vers verbunden ist. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn ein Vers mit إِلَّا oder وَلَكِن beginnt.

Obwohl das Anhalten am Ende eines Koranverses grundsätzlich zu den überlieferten Rezitationsweisen gehört, muss der Leser zugleich darauf achten, dass der Sinn vollständig und verständlich bleibt. Beginnt der folgende Vers mit einer Ausnahme oder einem Gegensatz, kann es deshalb sinnvoll sein, den vorherigen Vers zu wiederholen und ihn anschließend mit dem folgenden Vers zu verbinden.

Dabei sind zwei wichtige Prinzipien zu beachten:

  1. Das Beachten der Versenden: Die Enden der Verse, die sogenannten رُؤُوسُ الآيِ, besitzen in der Koranrezitation eine besondere Stellung. Das Anhalten an ihnen bewahrt den Rhythmus und die Gliederung der Verse.

  2. Das Beachten des Sinnzusammenhangs: Der Leser soll nicht nur die lautliche Form, sondern auch die Bedeutung berücksichtigen. Beginnt der nächste Vers mit einer Ausnahme oder einem Gegensatz, kann sein Sinn ohne den vorherigen Zusammenhang unvollständig oder missverständlich erscheinen.

Diese Vorgehensweise hilft dabei, die Verse sowohl in ihrer überlieferten Gliederung als auch in ihrem vollständigen Sinn zu rezitieren.

Warum sind Verse mit إِلَّا oder وَلَكِن besonders?

إِلَّا leitet gewöhnlich eine Ausnahme ein und bedeutet „außer“, „es sei denn“ oder „mit Ausnahme von“.

وَلَكِن beziehungsweise وَلَكِنَّ leitet einen Gegensatz oder eine Einschränkung ein und bedeutet „aber“, „jedoch“ oder „vielmehr“.

Solche Wörter beziehen sich inhaltlich häufig unmittelbar auf das zuvor Gesagte. Wird nur mit إِلَّا oder وَلَكِن begonnen, ohne den vorherigen Zusammenhang zu berücksichtigen, kann die Aussage unvollständig wirken.

Beispiel mit إِلَّا

وَلَا تَقُولَنَّ لِشَيْءٍ إِنِّي فَاعِلٌ ذَٰلِكَ غَدًا ﴿٢٣﴾ إِلَّا أَن يَشَاءَ اللَّهُ

Und sage niemals von einer Sache: „Ich werde dies morgen tun“, ohne hinzuzufügen: „So Allah will.“ (18:23–24)

Der Ausdruck إِلَّا أَن يَشَاءَ اللَّهُ bildet eine Ausnahme und ist inhaltlich unmittelbar mit dem vorherigen Vers verbunden.

Der Leser kann zunächst am Ende von Vers 23 anhalten. Um anschließend den vollständigen Sinn wiederzugeben, ist es sinnvoll, den vorherigen Satzteil erneut zu lesen und ihn mit إِلَّا أَن يَشَاءَ اللَّهُ zu verbinden.

Beispiel mit وَلَكِن

وَمَا كُنتَ بِجَانِبِ الْغَرْبِيِّ إِذْ قَضَيْنَا إِلَىٰ مُوسَى الْأَمْرَ وَمَا كُنتَ مِنَ الشَّاهِدِينَ ﴿٤٤﴾ وَلَـٰكِنَّا أَنشَأْنَا قُرُونًا فَتَطَاوَلَ عَلَيْهِمُ الْعُمُرُ

Du warst nicht an der westlichen Seite, als Wir Musa die Angelegenheit auftrugen, und du gehörtest nicht zu den Zeugen. Doch Wir ließen Generationen entstehen, und über ihnen verging eine lange Zeit. (28:44–45)

وَلَكِنَّا leitet hier einen Gegensatz zum vorherigen Vers ein. Der zweite Vers erklärt, wie dem Propheten ﷺ diese Berichte dennoch bekannt gemacht wurden.

Auch hier kann zunächst am Ende des ersten Verses angehalten werden. Anschließend wird der vorherige Zusammenhang wiederholt und mit dem folgenden Vers verbunden, damit die argumentative Beziehung deutlich bleibt.

Die empfohlene Vorgehensweise bei der Rezitation

Wenn ein Vers mit إِلَّا, وَلَكِن oder einem ähnlichen Ausdruck beginnt, kann der Leser in zwei Schritten vorgehen:

  1. Zunächst am Versende anhalten: Der vorherige Vers wird vollständig rezitiert und an seinem Ende wird angehalten.

  2. Den Zusammenhang wiederholen: Anschließend wird ein geeigneter Teil des vorherigen Verses erneut gelesen und mit dem folgenden Vers verbunden.

Auf diese Weise werden sowohl die Versgliederung als auch der vollständige Sinn berücksichtigt.

Hinweis: Es handelt sich nicht darum, den vorherigen Vers immer zwingend vollständig zu wiederholen. Entscheidend ist, einen sinnvollen Anfangspunkt zu wählen, von dem aus die grammatische und inhaltliche Verbindung verständlich wird.

Beispiel aus der Sure Al-ʿAsr

Ein besonders anschauliches Beispiel findet sich in der Sure Al-ʿAsr:

وَالْعَصْرِ

إِنَّ الْإِنسَانَ لَفِي خُسْرٍ

إِلَّا الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ وَتَوَاصَوْا بِالْحَقِّ وَتَوَاصَوْا بِالصَّبْرِ

Der dritte Vers beginnt mit إِلَّا und stellt eine Ausnahme von der allgemeinen Aussage des zweiten Verses dar:

Der Mensch befindet sich wahrlich im Verlust – außer denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun.

Wird der dritte Vers allein begonnen, ist grammatisch zwar erkennbar, dass eine Ausnahme folgt. Der vollständige Bezug wird jedoch erst durch die Verbindung mit dem zweiten Vers deutlich.

Erste Lesung mit Anhalten an den Versenden

Anhalten:

وَالْعَصْرِ

Anhalten:

إِنَّ الْإِنسَانَ لَفِي خُسْرٍ

Anhalten:

إِلَّا الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ وَتَوَاصَوْا بِالْحَقِّ وَتَوَاصَوْا بِالصَّبْرِ

Zweite Lesung zur Verdeutlichung des Sinns

إِنَّ الْإِنسَانَ لَفِي خُسْرٍ إِلَّا الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ وَتَوَاصَوْا بِالْحَقِّ وَتَوَاصَوْا بِالصَّبْرِ

Bei dieser Wiederholung werden der allgemeine Satz und seine Ausnahme unmittelbar miteinander verbunden. Dadurch wird die Bedeutung vollständig und klar hörbar.

Das Verhältnis zwischen Waqf und Satzbedeutung

Das Anhalten beim Koranlesen wird als وَقْفٌ bezeichnet. Ein guter Waqf berücksichtigt sowohl die Versenden als auch die grammatische und inhaltliche Struktur.

Nicht jedes Versende bildet zugleich einen vollständig abgeschlossenen Satz. Manchmal setzt der folgende Vers die Aussage fort, erklärt sie oder schränkt sie ein.

Deshalb muss der Leser zwischen zwei Aspekten unterscheiden:

  • dem zulässigen Anhalten am Ende eines Verses;
  • dem erneuten Beginn an einer Stelle, die einen vollständigen und verständlichen Sinn ergibt.

Ein Anhalten kann zulässig sein, während ein anschließender Neubeginn ohne den vorherigen Zusammenhang dennoch ungünstig sein kann.

Der richtige Neubeginn – الاِبْتِدَاءُ

Neben dem Waqf spielt auch der Neubeginn, الاِبْتِدَاءُ, eine wichtige Rolle. Der Leser sollte an einer Stelle beginnen, die grammatisch und inhaltlich verständlich ist.

Ein Beginn mit إِلَّا kann problematisch wirken, wenn die Aussage, von der die Ausnahme gemacht wird, nicht bekannt ist. Ebenso benötigt وَلَكِن häufig einen vorherigen Gegensatz, auf den sich das Wort bezieht.

Daher empfiehlt es sich, beim Neubeginn einige Wörter oder den vorherigen Vers zu wiederholen.

Weitere Wörter, die einen engen Zusammenhang anzeigen

Nicht nur إِلَّا und وَلَكِن können eine enge Verbindung zum vorherigen Vers anzeigen. Auch andere Wörter können grammatisch oder inhaltlich auf das zuvor Gesagte zurückverweisen:

  • بَلْ: vielmehr, sondern;
  • لَكِنْ: jedoch;
  • فَـ: dann, so, daher;
  • وَ: und;
  • ثُمَّ: dann;
  • Relativpronomen oder Pronomen, deren Bezugswort im vorherigen Vers steht.

Die Entscheidung, ob der vorherige Zusammenhang wiederholt werden sollte, hängt stets von der Grammatik und der Bedeutung der konkreten Stelle ab.

Häufige Fehler

  • einen Vers mit إِلَّا zu beginnen, ohne den Bezug der Ausnahme zu kennen;
  • وَلَكِن ohne den vorherigen Gegensatz zu rezitieren;
  • nur auf das Versende zu achten und den Sinnzusammenhang zu vernachlässigen;
  • den vorherigen Vers vollständig mit dem nächsten zu verbinden, ohne zuvor das Versende kenntlich zu machen;
  • an einer grammatisch ungeeigneten Stelle neu zu beginnen;
  • die Wiederholung mechanisch durchzuführen, ohne die Bedeutung zu verstehen;
  • jede Sure oder jeden Vers nach derselben Methode zu behandeln, ohne den jeweiligen Kontext zu prüfen.

Wie kann man diese Regel richtig lernen?

Diese Regel hängt stark vom Verständnis der Verse und von der praktischen Rezitation ab. Eine hilfreiche Lernmethode besteht darin:

  • den Vers und seine Übersetzung zu lesen;
  • die grammatische Funktion von إِلَّا oder وَلَكِن zu bestimmen;
  • den vorherigen Vers vollständig zu rezitieren und anzuhalten;
  • einen sinnvollen Wiederholungsbeginn auszuwählen;
  • beide Verse anschließend miteinander zu verbinden;
  • die Rezitation einer qualifizierten Lehrkraft anzuhören;
  • die eigene Rezitation korrigieren zu lassen.

Fazit

Diese Lektion hat die Rezitation von Versen behandelt, die mit إِلَّا oder وَلَكِن beginnen. Solche Verse stehen häufig in einem engen grammatischen und inhaltlichen Zusammenhang mit dem vorherigen Vers.

Der Leser kann zunächst am Versende anhalten und anschließend den vorherigen Zusammenhang wiederholen, bevor er beide Aussagen miteinander verbindet. Dadurch werden sowohl die Gliederung der Verse als auch ihr vollständiger Sinn bewahrt.

Diese Regel gehört vor allem zum richtigen Anhalten und Neubeginnen, also zu الوَقْفُ وَالاِبْتِدَاءُ, und weniger zu den reinen Artikulationsregeln des Tajwid.

In schāʾ Allah behandelt die nächste Lektion die sogenannten sieben Alif.

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