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Sakt im Tajwid

5. April 2021 – Al-Dirassa Institut

Tajwīd-Unterricht über Sakt bei der Koranrezitation

Der Sakt, auf Arabisch السَّكْتُ, bezeichnet eine sehr kurze Unterbrechung der Stimme während der Koranrezitation, ohne dabei neu einzuatmen. Nach dieser kurzen Pause wird die Rezitation unmittelbar fortgesetzt.

Der Sakt ist vom gewöhnlichen Anhalten, dem وَقْفُ, zu unterscheiden. Beim Waqf hält der Leser an und kann Atem holen. Beim Sakt wird lediglich der Ton kurz unterbrochen, während der Atem zurückgehalten wird.

In der verbreiteten Rezitationsweise von Ḥafṣ ʿan ʿĀṣim werden zwei Arten unterschieden:

  1. Der vorgeschriebene Sakt: eine kurze Pause, die beim verbundenen Lesen an bestimmten Stellen eingehalten wird.
  2. Der erlaubte Sakt: eine mögliche Rezitationsweise neben weiteren zulässigen Formen.

1. Der vorgeschriebene Sakt – السَّكْتُ الْوَاجِبُ

Der vorgeschriebene Sakt wird auch als leichte Pause bezeichnet. Dabei wird die Stimme für einen kurzen Moment unterbrochen, ohne neu einzuatmen. Anschließend wird die Rezitation unmittelbar fortgesetzt.

Seine Dauer ist kürzer als ein gewöhnlicher Waqf. Sie wird nicht exakt in Sekunden bemessen, sondern durch mündliche Überlieferung von einer qualifizierten Lehrkraft erlernt. Der Leser sollte weder so lange pausieren, dass der Eindruck eines vollständigen Anhaltens entsteht, noch die Pause vollständig auslassen.

Im Muṣḥaf wird diese Stelle häufig durch ein kleines arabisches Sīn, س, gekennzeichnet:

Zeichen für den Sakt im Tajwid

In der Rezitationsweise von Ḥafṣ gibt es vier besonders bekannte Stellen des Sakt im Koran.

Erste Stelle: zwischen عِوَجًا und قَيِّمًا

الْحَمْدُ لِلَّهِ الَّذِي أَنزَلَ عَلَىٰ عَبْدِهِ الْكِتَابَ وَلَمْ يَجْعَل لَّهُ عِوَجًا ۜ ﴿١﴾ قَيِّمًا لِّيُنذِرَ بَأْسًا شَدِيدًا مِّن لَّدُنْهُ وَيُبَشِّرَ الْمُؤْمِنِينَ الَّذِينَ يَعْمَلُونَ الصَّالِحَاتِ أَنَّ لَهُمْ أَجْرًا حَسَنًا

Alles Lob gebührt Allah, der das Buch auf Seinen Diener herabgesandt und darin keine Abweichung gemacht hat – vollkommen aufrichtig –, damit es vor einer schweren Strafe von Ihm warne und den Gläubigen, die rechtschaffene Werke tun, eine schöne Belohnung verkünde. (18:1–2)

Beim verbundenen Lesen wird nach عِوَجًا kurz ohne Atemholen pausiert. Dadurch wird verdeutlicht, dass قَيِّمًا das Buch beschreibt und nicht das Wort عِوَجًا.

Da sich die Stelle zugleich am Ende eines Verses befindet, ist auch ein vollständiger Waqf mit anschließendem Neubeginn bei قَيِّمًا möglich.

Zweite Stelle: zwischen مَرْقَدِنَا und هَذَا

قَالُوا يَا وَيْلَنَا مَن بَعَثَنَا مِن مَّرْقَدِنَا ۜ ۗ هَـٰذَا مَا وَعَدَ الرَّحْمَـٰنُ وَصَدَقَ الْمُرْسَلُونَ

Sie werden sagen: „Wehe uns! Wer hat uns von unserer Ruhestätte auferweckt?“ Das ist es, was der Allerbarmer versprochen hat, und die Gesandten haben die Wahrheit gesagt. (36:52)

Der kurze Sakt trennt die Frage مَن بَعَثَنَا مِن مَّرْقَدِنَا von der anschließenden Aussage هَذَا مَا وَعَدَ الرَّحْمَـٰنُ. Dadurch wird der Sinnzusammenhang klarer hörbar.

Auch an dieser Stelle ist ein vollständiges Anhalten mit Atemholen möglich. Wird jedoch ohne vollständigen Waqf weitergelesen, erfolgt der überlieferte Sakt.

Dritte Stelle: zwischen مَنْ und رَاقٍ

وَقِيلَ مَنْ ۜ رَاقٍ

Und es wird gesagt werden: „Wer kann ihn heilen?“ (75:27)

Zwischen مَنْ und رَاقٍ wird ein kurzer Sakt ohne Atemholen eingehalten.

Dadurch bleibt das Nūn von مَنْ klar erhalten und wird nicht durch Idghām in das folgende Rāʾ assimiliert. Man liest daher nicht so, als würden beide Wörter zu einer einzigen verschmolzenen Lautfolge.

Vierte Stelle: zwischen بَلْ und رَانَ

كَلَّا ۖ بَلْ ۜ رَانَ عَلَىٰ قُلُوبِهِم مَّا كَانُوا يَكْسِبُونَ

Keineswegs! Vielmehr hat das, was sie zu erwerben pflegten, ihre Herzen überdeckt. (83:14)

Zwischen بَلْ und رَانَ wird ebenfalls kurz ohne Atemholen pausiert.

Der Sakt verhindert, dass das Lām von بَلْ mit dem folgenden Rāʾ verschmilzt. Beide Wörter bleiben dadurch deutlich voneinander getrennt.

Übersicht der vier bekannten Sakt-Stellen

Sure und Vers Stelle des Sakt Zweck
Al-Kahf 18:1–2 عِوَجًا ۜ قَيِّمًا Den grammatischen und inhaltlichen Bezug verdeutlichen
Yā-Sīn 36:52 مَرْقَدِنَا ۜ هَذَا Frage und folgende Aussage voneinander trennen
Al-Qiyāmah 75:27 مَنْ ۜ رَاقٍ Idghām des Nūn in das Rāʾ verhindern
Al-Muṭaffifīn 83:14 بَلْ ۜ رَانَ Idghām des Lām in das Rāʾ verhindern

Unterschied zwischen den ersten und den letzten beiden Stellen

Bei den ersten beiden Stellen befindet sich der Sakt an einem Versende oder an einer Stelle, an der auch ein vollständiges Anhalten möglich ist.

Der Leser kann daher:

  • vollständig anhalten, Atem holen und anschließend weiterlesen;
  • oder beim verbundenen Lesen den kurzen Sakt ohne Atemholen anwenden.

Bei مَنْ ۜ رَاقٍ und بَلْ ۜ رَانَ handelt es sich dagegen innerhalb der verbundenen Rezitation um kurze lautliche Unterbrechungen, durch die eine Assimilation verhindert wird.

Ein vollständiger Waqf an diesen Stellen wäre nur aus einem begründeten Anlass wie Atemnot oder Unterricht möglich und sollte nicht als reguläre Leseweise behandelt werden.

2. Der erlaubte Sakt – السَّكْتُ الْجَائِزُ

Neben den vier bekannten Stellen gibt es in der Rezitationsweise von Ḥafṣ Situationen, in denen der Leser zwischen mehreren zulässigen Möglichkeiten wählen kann. Der Sakt ist dort erlaubt, aber nicht die einzige mögliche Rezitationsweise.

Der Übergang von Al-Anfāl zu At-Tawbah

إِنَّ اللَّهَ بِكُلِّ شَيْءٍ عَلِيمٌ

بَرَاءَةٌ مِّنَ اللَّهِ وَرَسُولِهِ إِلَى الَّذِينَ عَاهَدتُّم مِّنَ الْمُشْرِكِينَ

Diese Stelle befindet sich zwischen dem Ende der Sure Al-Anfāl und dem Beginn der Sure At-Tawbah. Da At-Tawbah nicht mit der Basmala beginnt, bestehen beim Übergang drei zulässige Möglichkeiten:

  1. Vollständiges Anhalten: Am Ende von Al-Anfāl anhalten, Atem holen und anschließend At-Tawbah ohne Basmala beginnen.
  2. Sakt: Die Stimme kurz ohne Atemholen unterbrechen und anschließend At-Tawbah ohne Basmala beginnen.
  3. Direkte Verbindung: Das Ende von Al-Anfāl ohne Pause unmittelbar mit dem Anfang von At-Tawbah verbinden.

Zwischen diesen beiden Suren wird in keiner der drei Formen die Basmala rezitiert.

Die Stelle مَالِيَهْ ۜ هَلَكَ

مَا أَغْنَىٰ عَنِّي مَالِيَهْ ۜ ﴿٢٨﴾ هَلَكَ عَنِّي سُلْطَانِيَهْ

Mein Besitz hat mir nichts genutzt. Meine Macht ist von mir verschwunden. (69:28–29)

Bei der Verbindung von مَالِيَهْ und هَلَكَ sind in der Überlieferung von Ḥafṣ zwei Lesarten bekannt:

  1. Sakt: Nach dem ersten Hāʾ kurz ohne Atemholen pausieren und anschließend mit هَلَكَ fortfahren.
  2. Idghām: Das erste Hāʾ in das folgende Hāʾ assimilieren, sodass die Verbindung wie ein verdoppeltes Hāʾ ausgesprochen wird.

Da sich zwischen den beiden Wörtern zugleich ein Versende befindet, kann der Leser selbstverständlich auch vollständig anhalten und danach mit dem nächsten Vers beginnen.

Was ist der Unterschied zwischen Sakt, Waqf und Qaṭʿ?

Begriff Bedeutung Atemholen
السَّكْتُ – Sakt Sehr kurze Unterbrechung der Stimme Nein
الوَقْفُ – Waqf Anhalten mit der Absicht, die Rezitation fortzusetzen Ja
القَطْعُ – Qaṭʿ Beenden der Rezitation Die Lesung wird nicht unmittelbar fortgesetzt

Diese Begriffe dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Der Sakt ist nur eine kurze Unterbrechung innerhalb einer fortlaufenden Rezitation.

Wie lange dauert ein Sakt?

Der Sakt ist nur ein sehr kurzer Moment des Schweigens. Er dauert länger als ein rein natürlicher Übergang zwischen zwei Lauten, aber kürzer als ein gewöhnlicher Waqf.

Die genaue Dauer sollte nicht pauschal mit einer oder zwei Sekunden angegeben werden. Sie wird durch Zuhören und direkte Überlieferung gelernt. Entscheidend ist, dass:

  • die Stimme kurz unterbrochen wird;
  • kein neuer Atemzug erfolgt;
  • die Pause nicht wie ein vollständiger Waqf klingt;
  • die Rezitation danach unmittelbar fortgesetzt wird.

Warum wird der Sakt angewendet?

Der Sakt erfüllt je nach Stelle unterschiedliche Funktionen. Er kann:

  • den grammatischen Zusammenhang verdeutlichen;
  • zwei Aussagen inhaltlich voneinander trennen;
  • eine unerwünschte Assimilation verhindern;
  • die überlieferte Aussprache einer Stelle bewahren;
  • einen flüssigen Übergang ohne vollständiges Atemholen ermöglichen.

Der Sakt darf daher nicht als freie stilistische Pause verstanden werden. Er richtet sich nach der überlieferten Rezitationsweise.

Häufige Fehler bei der Sakt-Regel

  • während des Sakt neu einzuatmen;
  • die Pause so lange auszudehnen, dass sie wie ein vollständiger Waqf klingt;
  • den Sakt vollständig auszulassen, obwohl er beim verbundenen Lesen vorgeschrieben ist;
  • an beliebigen Stellen des Korans einen Sakt einzufügen;
  • bei مَنْ ۜ رَاقٍ das Nūn in das Rāʾ zu assimilieren;
  • bei بَلْ ۜ رَانَ das Lām in das Rāʾ zu assimilieren;
  • zwischen Al-Anfāl und At-Tawbah eine Basmala einzufügen;
  • den Unterschied zwischen Sakt und Waqf nicht zu beachten.

Wie kann man den Sakt richtig lernen?

Da der Sakt eine praktische Rezitationsregel ist, lässt sich seine genaue Dauer nur eingeschränkt durch schriftliche Erklärungen vermitteln.

Eine geeignete Lernmethode besteht darin:

  • die bekannten Sakt-Stellen im Muṣḥaf zu markieren;
  • eine zuverlässige Rezitation von Ḥafṣ ʿan ʿĀṣim anzuhören;
  • die Stelle zunächst langsam zu wiederholen;
  • den Atem während der kurzen Pause anzuhalten;
  • die Pause nicht künstlich zu verlängern;
  • den Unterschied zwischen Sakt, Waqf und direkter Verbindung zu üben;
  • die Rezitation von einer qualifizierten Tajwid-Lehrkraft korrigieren zu lassen.

Fazit

Der Sakt ist eine kurze Unterbrechung der Stimme ohne Atemholen. In der Rezitationsweise von Ḥafṣ ʿan ʿĀṣim gibt es vier besonders bekannte Stellen, an denen dieser kurze Stimmstopp beim verbundenen Lesen angewendet wird.

Darüber hinaus gibt es Stellen, an denen der Sakt neben anderen Rezitationsmöglichkeiten erlaubt ist, insbesondere beim Übergang von Al-Anfāl zu At-Tawbah und bei der Verbindung von مَالِيَهْ mit هَلَكَ.

Die korrekte Anwendung bewahrt den Sinn, verhindert unerwünschte Assimilationen und folgt der überlieferten Rezitationsweise. Dauer und Ausführung sollten durch genaues Zuhören und mündliche Korrektur erlernt werden.

In schāʾ Allah behandelt die nächste Lektion die Zeichen des Anhaltens im Koran.

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