Einführung
Der Begriff الْبَدَلُ bezeichnet in der arabischen Grammatik ein Substantiv oder Satzglied, das ein zuvor genanntes Wort ersetzt, näher bestimmt oder erklärt.
Das erklärende oder ersetzende Element wird الْبَدَلُ genannt. Das Wort, auf das es sich bezieht, heißt الْمُبْدَلُ مِنْهُ.
Der بَدَل folgt somit auf ein erstes Substantiv und liefert eine zusätzliche Erläuterung, eine genauere Identifikation oder eine inhaltliche Präzisierung.
Beispiel:
فَآمِنُوا بِاللَّـهِ وَرَسُولِهِ النَّبِيِّ الْأُمِّيِّ
So glaubt an Allah und an Seinen Gesandten, den schriftunkundigen Propheten. (7:158)
In diesem Beispiel bestimmt die Wortgruppe النَّبِيِّ الْأُمِّيِّ das Wort رَسُولِهِ näher. Sie erklärt genauer, welcher Gesandte gemeint ist.
Die grammatische Regel des الْبَدَلُ
Der بَدَل stimmt im grammatischen Kasus mit dem الْمُبْدَلُ مِنْهُ überein.
Das bedeutet:
- Steht das Bezugswort im Nominativ, steht auch der بَدَل im Nominativ.
- Steht das Bezugswort im Akkusativ, steht auch der بَدَل im Akkusativ.
- Steht das Bezugswort im Genitiv, steht auch der بَدَل im Genitiv.
Der Badal gehört damit zu den sogenannten abhängigen Satzgliedern, auf Arabisch التَّوَابِعُ. Er übernimmt den grammatischen Kasus des Wortes, das er erläutert oder ersetzt.
Die wichtigsten Arten des الْبَدَلُ
In der arabischen Grammatik werden mehrere Arten des Badal unterschieden. Zu den wichtigsten gehören:
- بَدَلُ الْكُلِّ مِنَ الْكُلِّ: vollständiger Ersatz, bei dem beide Ausdrücke dieselbe Person oder Sache bezeichnen;
- بَدَلُ الْبَعْضِ مِنَ الْكُلِّ: Teilersatz, bei dem der Badal einen Teil des zuvor genannten Ganzen bezeichnet;
- بَدَلُ الِاشْتِمَالِ: inhaltlicher Badal, bei dem eine Eigenschaft oder ein zugehöriger Aspekt genannt wird;
- بَدَلُ الْغَلَطِ: Berichtigungsbadal, bei dem eine zuvor gemachte Aussage korrigiert wird.
Für Anfänger ist zunächst vor allem wichtig, zu erkennen, dass der Badal ein vorhergehendes Wort näher bestimmt und dessen Kasus übernimmt.
Beispiele für den الْبَدَلُ im Koran
قَالُوا نَعْبُدُ إِلَـٰهَكَ وَإِلَـٰهَ آبَائِكَ إِبْرَاهِيمَ وَإِسْمَاعِيلَ وَإِسْحَاقَ إِلَـٰهًا وَاحِدًا
Sie sagten: „Wir werden deinen Gott und den Gott deiner Vorfahren Ibrahim, Ismail und Ishaq anbeten, einen einzigen Gott.“ (2:133)
Die Namen إِبْرَاهِيمَ, إِسْمَاعِيلَ und إِسْحَاقَ erläutern hier das Wort آبَائِكَ, also „deine Vorfahren“.
Sie stehen wie ihr Bezugswort im Genitiv. Da es sich jedoch um nicht voll deklinierbare Eigennamen handelt, wird der Genitiv bei ihnen durch eine Fatha angezeigt.
اهْدِنَا الصِّرَاطَ الْمُسْتَقِيمَ
Führe uns den geraden Weg. (1:6)
صِرَاطَ الَّذِينَ أَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ
Den Weg derjenigen, denen Du Gunst erwiesen hast. (1:7)
Die Wortgruppe صِرَاطَ الَّذِينَ أَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ erklärt genauer, welcher gerade Weg gemeint ist. صِرَاطَ steht wie الصِّرَاطَ im Akkusativ.
قَالُوا آمَنَّا بِرَبِّ الْعَالَمِينَ ﴿١٢١﴾ رَبِّ مُوسَىٰ وَهَارُونَ
Sie sagten: „Wir glauben an den Herrn der Welten, den Herrn von Musa und Harun.“ (7:121–122)
Die Wortgruppe رَبِّ مُوسَىٰ وَهَارُونَ präzisiert رَبِّ الْعَالَمِينَ. Beide Ausdrücke stehen wegen der Präposition بِ im Genitiv.
Vollständiger Badal: بَدَلُ الْكُلِّ مِنَ الْكُلِّ
Beim vollständigen Badal bezeichnen der بَدَل und der الْمُبْدَلُ مِنْهُ dieselbe Person oder Sache.
Beispiel:
جَاءَ أَخُوكَ مُحَمَّدٌ
Dein Bruder Muhammad kam.
مُحَمَّدٌ bezeichnet dieselbe Person wie أَخُوكَ. Beide Wörter stehen im Nominativ.
Teilersatz: بَدَلُ الْبَعْضِ مِنَ الْكُلِّ
Beim Teilersatz bezeichnet der Badal einen Teil des zuvor genannten Ganzen. Häufig enthält er ein angehängtes Pronomen, das auf das Bezugswort zurückverweist.
Beispiel:
أَكَلْتُ الرَّغِيفَ نِصْفَهُ
Ich aß das Brot, nämlich seine Hälfte.
نِصْفَهُ bezeichnet einen Teil von الرَّغِيفَ. Beide stehen im Akkusativ.
Inhaltlicher Badal: بَدَلُ الِاشْتِمَالِ
Beim بَدَلُ الِاشْتِمَالِ bezeichnet der Badal keinen körperlichen Teil, sondern eine Eigenschaft, einen Zustand oder einen inhaltlich zugehörigen Aspekt.
Beispiel:
أَعْجَبَنِي الطَّالِبُ أَخْلَاقُهُ
Der Schüler gefiel mir, insbesondere sein Charakter.
أَخْلَاقُهُ ist kein körperlicher Teil des Schülers, sondern eine Eigenschaft, die ihm zugeordnet ist.
Der bestimmte Artikel beim بَدَل
Der Badal muss nicht zwingend denselben Bestimmtheitsgrad wie sein Bezugswort besitzen. Entscheidend ist in erster Linie, dass er dasselbe grammatische Bezugsobjekt bezeichnet oder näher erklärt und im Kasus mit ihm übereinstimmt.
Ein bestimmtes Wort kann daher unter bestimmten Voraussetzungen durch einen Eigennamen oder eine andere erklärende Form präzisiert werden.
Beispiel:
جَاءَ الْمُعَلِّمُ خَالِدٌ
Der Lehrer Khalid kam.
Das bestimmte Substantiv الْمُعَلِّمُ wird durch den Eigennamen خَالِدٌ näher bestimmt.
Hinweis: Der Vers تِلْكَ آيَاتُ الْكِتَابِ وَقُرْآنٍ مُّبِينٍ ist kein eindeutiges Beispiel für einen Badal, da قُرْآنٍ durch die Konjunktion و mit dem vorhergehenden Ausdruck verbunden ist.
Wozu dient der الْبَدَلُ?
Der بَدَل erfüllt sowohl eine grammatische als auch eine semantische Funktion. Er kann dazu dienen:
- ein zuvor genanntes Substantiv eindeutig zu identifizieren;
- einen allgemeinen Ausdruck durch eine genauere Bezeichnung zu erklären;
- ein Wort durch einen verständlicheren oder konkreteren Ausdruck zu ersetzen;
- einen Teil oder eine Eigenschaft des zuvor genannten Begriffs hervorzuheben;
- eine wichtige Präzisierung innerhalb des Satzes zu betonen.
Diese Konstruktion ist für das Verständnis des Korans besonders wichtig, da sie zeigt, wie einzelne Wörter und Wortgruppen einander erklären und grammatisch miteinander verbunden sind.
Unterschied zwischen الْبَدَلُ und dem Adjektiv
Der Badal darf nicht mit einem Adjektiv, dem النَّعْتُ, verwechselt werden.
Ein Adjektiv beschreibt eine Eigenschaft des Substantivs und stimmt gewöhnlich mit ihm in Kasus, Geschlecht, Numerus und Bestimmtheit überein.
Ein Badal bezeichnet dagegen häufig dieselbe Person oder Sache noch einmal, nennt einen Teil davon oder hebt einen inhaltlich zugehörigen Aspekt hervor.
Beispiele:
- جَاءَ الطَّالِبُ الْمُجْتَهِدُ: Der fleißige Schüler kam. الْمُجْتَهِدُ ist ein Adjektiv.
- جَاءَ الطَّالِبُ مُحَمَّدٌ: Der Schüler Muhammad kam. مُحَمَّدٌ ist ein Badal.
Wie erkennt man den الْبَدَلُ?
Zur Erkennung eines Badal können Sie folgende Schritte anwenden:
- Bestimmen Sie das erste Substantiv, den الْمُبْدَلُ مِنْهُ.
- Prüfen Sie, ob das folgende Wort denselben Begriff genauer bezeichnet oder erklärt.
- Prüfen Sie, ob beide Elemente im gleichen grammatischen Kasus stehen.
- Untersuchen Sie, ob der zweite Ausdruck das Ganze, einen Teil oder eine zugehörige Eigenschaft bezeichnet.
- Prüfen Sie, ob der Satz auch dann grammatisch und inhaltlich sinnvoll bleibt, wenn das erste Wort durch den Badal ersetzt wird.
Häufige Fehler beim الْبَدَلُ
- den Kasus des Badal nicht an den الْمُبْدَلُ مِنْهُ anzupassen;
- den Badal mit einem Adjektiv oder einer Apposition zu verwechseln;
- jede nachgestellte Erläuterung automatisch als Badal zu analysieren;
- durch eine Konjunktion verbundene Wörter fälschlicherweise als Badal einzuordnen;
- bei Teil- und Inhaltsbadal das zurückverweisende Pronomen zu übersehen;
- nur auf die Bedeutung zu achten und die grammatische Kasusübereinstimmung nicht zu prüfen.
Fazit
Der الْبَدَلُ ist ein wichtiges Thema der arabischen Grammatik. Er folgt auf ein zuvor genanntes Wort, um dieses zu ersetzen, genauer zu identifizieren oder näher zu erklären.
Das Bezugswort wird الْمُبْدَلُ مِنْهُ genannt. Der Badal übernimmt dessen grammatischen Kasus und steht daher ebenfalls im Nominativ, Akkusativ oder Genitiv.
Wer den Badal beherrscht, kann arabische Sätze genauer analysieren und die Beziehungen zwischen Wörtern in klassischen Texten und im Koran besser verstehen.
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